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Samstag, 27. September 2008

ClearType keine sinnvolle Schriftglättung

27.09.2008 · 11:17
Nachdem ClearType, immer wieder als Schriftglättung für Windows angepriesen wird, habe ich mich an einen Vergleich gewagt. Schon deswegen weil es auf Macs oder mit Linux besseres gibt.

Schriftglättung ist sinnvoll und funktioniert auch meistens1.

Zum Vergleich habe ich von einer Website drei Screenshots angefertigt. Zur genaueren Untersuchung wurde ein Ausschnitt gewählt, der gezoomt angezeigt und dann davon ein Screenshot angefertigt. Somit lässt sich dann erkennen wie die einzelnen Methoden der Glättung unter Windows funktionieren.

Warum Schriftglättung?

Da die meisten Bildschirme im Gegensatz zu Druckern nur eine geringe Auflösung besitzen, müssen Schriften geglättet werden, damit bei Bögen und Schrägen – Schriftsetzer und Drucker mögen mir jetzt diese umgangsprachliche Ausdruckweise verzeihen – kein stufiges Aussehen gibt.

Arten der Schriftglättung bei Windows

Unter Windows gibt es drei Arten der Schriftglättung: Keine, Standard und ClearType2.

Schauen wir mal wie das dann ausssieht.

Schriftglättung aus

Ohne Schriftglättung gibt es beio der Anzeige von Schriften ein pixeliges Aussehen. Die Schriftzeichen weisen an Kanten eine sichtbare Treppenstruktur auf.
Screenshot einer Schrift ohne Schriftglättung

Gut zeigt sich diese Treppenstruktur in der vergrößerten Ansicht.
gezoomter Screenshot einer Schrift ohne Schriftglättung

Ohne Schriftglättung wirkt die Schrift zerfranst und ist nicht ansehbar, von Lesbarkeit schon gar nicht zu reden. So sollte der Computer sinnvollerweise nicht eingestellt sein.

Schriftglättung Standard

Mit Schriftglättung Standard sieht es bei einigen Schriften und Schriftgrößen schon besser aus.
Screenshot einer Schrift mit Schriftglättung Standard

In der vergrößerten Ansicht ist zu sehen, dass die Glättung durch eine Abfolge von Pixeln mit bestimmten Grauwerten an den schrägen Linien, das wird Anti-Aliasing genannt, erzeugt wird.
gezoomter Screenshot einer Schrift mit Schriftglättung

Die Schrift bekommt ein gefälliges „scharfes“ Aussehen und wird lesbar.

Schriftglättung ClearType

Mit Schriftglättung ClearType wirken alle Schriften auf den ersten Blick lesbar und scharf. Wenn genauer hingesehen wird, wirken sie jedoch nicht mehr so gestochen scharf und die Kanten zeigen farbige Säume, die der Schrift ein verschmiertes Aussehen gibt.

Auf meinem Eizo-22"-TFT sieht eine Schrift mit ClearType dann so aus.
Screenshot einer Schrift mit Schriftglättung ClearType

Die Schrift sieht an den Stellen der Schriftglättung arg verschmiert aus. Ganz besonders sichtbar beim M in den fast senkrechten Auf- und Abstrichen; da fällt dann auf, dass das Hinting bzw. die Glättung nicht klappt und dann links und rechts die Senkrechten breiter werden.

In der Ausschnittvergrößerung zeigt sich, dass ClearType nicht in der Lage ist korrekt zu Glätten.
gezoomter Screenshot einer Schrift mit Schriftglättung ClearType

Die Farbsäume werden jetzt gut sichtbar. Daher rührt also die Unschärfe und im Zusammenhang mit dem zu schmalen Rendern der Schrift bei Hints.

Andere Betriebssysteme

Linux

Unter Linux gibt es jedenfalls ein besseres Subpixelrendering der Schriften als unter XP, da wird nicht so mit Farbsäumen und Unschärfen herumgeschmiert.
Ganz eindeutig sichtbar im Vergleich zu XPs ClearType. Screenshot einer Schrift unter Linux mit Schriftglättung Subpixelrendering

Die Ausschnittvergrößerung zeigt außerdem, dass Linux die Schrift nicht so schmal rendert wie Windows, die Subpixel der Glättung in der Luminanz nicht so intensiv sind und das nicht mehr als Farnsaum wahgenommen wird.
Screenshot einer Schrift unter Linux mit Schriftglättung Subpixelrendering

Mac OS

Da habe ich leider derzeit keinen Zugrif auf einen Rechner.

Fazit

Wie zu sehen war, ist ClearType nur bedingt nutzbar.

Da ändert sich auch nichts per Systemeinstellung daran, weil mittels ClearType-Tuner keine Einstellung zu finden ist, es wird mit dem High-End-Monitor Farbsäume erzeugt.

Ich habe ClearType abgeschaltet, da mir die Farbtreue einfach wichtiger ist und ich keine grausamen Farbsäume und Unschärfen bei Schriften sehen will. Das verschleierte Geschmiere ist einfach nicht im Arbeitsalltag brauchbar.

Stellt sich mir die Frage: Ist ClearType allein so schlecht oder zusätzlich auch das Hinting bei Schriften unter Windows?

  1. [1] Seltsamerweise greift die Standardschriftglättung mit TrueType erst ab bestimmten Schriftgrößen, was zu seltsamen Anzeigeergebnissen führt.
    Ganz besonders auffällig ist dies in Browsern, wo bei eingeschaltetem ClearType auf einmal die Schrft ganz anders gerendert wird.
    Darüber hatte ich schon früher geschrieben.
  2. [2] Informationen zu ClearType und Microsofts Ideen über Typografie:
    http://www.microsoft.com/typography/default.mspx
    http://msdn.microsoft.com/de-de/library/ms749295.aspx
    http://www.microsoft.com/typography/ClearTypePowerToy.mspx
Autor: GwenDragon · Kategorie Windows · Permalink · Kommentare (4) · Kommentar schreiben

Kommentare

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#1 Usul schrieb am 27.9.2008 22:30 folgendes:

Irgendwie versteh ich nicht so recht, was genau du willst. Du bemängelst bei ClearType Farbsäume - aber genau auf die Bildung von Farbsäumen baut dieses Verfahren auf! Vereinfacht ausgedrückt macht es doch Kantenglättung nicht auf Pixelebene, sondern eine Stufe tiefer, auf Subpixel-Ebene (Rot/Grün/Blau-Pixel), und das Ergebnis MUSS farbige Fragmente erzeugen.

Es bleibt natürlich die Frage, wie exzessiv es auf "farbige" Pixel zurückgreift, da kann man sicherlich ein bisschen variieren. Schade, dass du den gleichen Screenshot nicht mal mit Linux gemacht hast, zum Vergleich. Wenn das Subpixel-Rendering bei Linux KEIN farbiges Pixel erzeugt - dann ist es kein Subpixelrendering.

Das Bemerken von diesen Farbsäumen hat IMHO nicht viel mit High-End-Monitor oder nicht zu tun. Sofern man DVI benutzt, ist ein Pixel ein Pixel, ohne Qualitätsverlust. Auch bei "billigen" Monitoren. Dein "Problem" ist wohl eher die DPI-Zahl deines Monitors. Wenn ich mal davon ausgehe, dass der 1650x1080 hat, dann hat der bei 22" Diagonale eine DPI-Zahl von ca. 88 DPI - das ist verdammt wenig. Das du da unter Umständen die einzelnen farbigen Pixel bei einer Subpixel-Kantenglättung siehst, dürfte verständlich sein. Hättest du einen TFT mit nur 20", aber auch mit 1650er Auflösung, dann hättest du schon 97 DPI und die Farbsäume würden vermutlich weniger auffallen. Ich merke das schon bei mir, ich habe zu Hause einen 17"-TFT mit 1280er Auflösung, auf Arbeit 19" mit der gleichen Auflösung, zu Hause kann ich deutlich "aggressiver" Kantenglättungsparameter fahren als auf Arbeit. Beides übrigens unter Linux, natürlich, sonst könnte man das nicht so vergleichen.

Vorteil unter Linux ist halt, dass man am Subpixel-Rendering mehr schrauben kann. Aber generell halte ich das Verfahren für Monitore mit geringer DPI-Zahl für nur bedingt brauchbar. Die Farbsäume fallen dann wirklich schnell auf.

#2 GwenDragon schrieb am 29.9.2008 13:40 folgendes:

Hallo Usul,

Mein Monitor ist ein Eizo CG210N und hat eine Auflösung 1600×1200 bei 21".

Den Vergleich zu Linux habe ich heute nachgeholt und eingefügt. Es ist sichtbar, dass Linux besser glättet.

#3 Usul schrieb am 29.9.2008 22:42 folgendes:

Jetzt erinnere ich mich auch dumpf, dass ich glaub bei meinem Windows die Kantenglättung auch auf Graustufen zurückgeregelt haben, muss ich mal drauf achten, wenn ich Windows wieder hochfahre. Wirklich nicht das Gelbe vom Ei, dieses ominöse Windows :)

#4 GwenDragon schrieb am 30.9.2008 16:42 folgendes:

Und ich bin nicht die einzige Person, die ClearType so wundervoll schlecht findet, was die Glättung und richtige Darstellung anbelangt.

<http://www.noah-doersing.org/2008/07/21/cleartype/>

↑Artikel


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