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Samstag, 08. Dezember 2007

Erinnerungen an frühere Zeiten der Computer

08.12.2007 · 11:10
Mal etwas Museales von mir. Computer, Hardware und Programme mit denen ich gearbeitet und die ich zum Teil besessen habe – damals. Ist ganz interessant, was sich da so findet. Wie im Computermuseum. ;)

Das Ganze liest sich ziemlich seltsam – fast wie eine Vita. Dabei ist es nur die zusammengekramte Erinnerung einer alten programmierenden Drachin und Informatikerin. Zudem ist doch daran zu sehen, was ich nie gedacht hätte, dass eine so von Computern infiziert werden kann.
Ist halt auch wieder eine meiner Sichtbarkeiten wie ich bin, wer ich bin und was mich geprägt hat.

Computer, Erfahrungen und Programmieren

Damit auch, wenn es gelesen wird, der Überblick behalten bleibt, möchte ich kurz erkären wie das hier strukturiert ist:
Als erstes habe ich das Gerät oder die Gerätegruppe beschrieben, falls möglich auch einen externen Link zu weiteren Informationen über das System oder Gerät hinzugefügt. Danach kommen meine persönlichen Erfahrungen damit, warum ich sowas unbedingt haben musste, was mir nicht gefiel, was ich damit erlebte. Und dann zum Abschluss was ich damit angestellt, gelernt oder beruflich gearbeitet habe, sozusagen der seriöse Anteil des Ganzen.

Na, dann viel Spaß damit, auch wenn’s viel zu lesen ist.

1977

PDP 8 + PDP 11 und mehr…
„Großrechensystem“ am MPI München.

Der erste Computer, den ich sah! Irgendwelche Kisten von DEC der PDP-Reihe, denke ich, waren das. Und mindesten noch 20 andere ähnlicher Art, an die ich mich nicht mehr so richtig nach über 30 Jahren erinnere, aber die möglicherweise DEC PDP/8 oder Univac 9400 waren.
Schon die Räume waren groß, klimatisiert, damals kalt, in den Maßen von kleinen Fußballfeldern. Riesige Räume mit noch riesigeren Schränken, auf denen viele Schalter und Lampen waren (Zentraleinheiten). Seltsame Bildschirme mit Tastaturen (Terminals). Schreibmaschinen, die Löcher in Papierkarten stanzen (Lochkartenstanzer). Hohe Schränke mit Plexiglastüren und großen, breiten Tonbändern drin (Racks mit Magnetbandspeichern). Kühlschrankgroße Kisten, in denen hohe Tortenschachteln (Disks, Plattenspeicher) versenkt wurden. Komische Pulte, in denen Stapel von Papierkarten eingeführt wurden (Lochkartenleser).
Und Was-weiß-ich-noch-Unbekanntes war da zu sehen. Aber nur ganz wenig Leute. Ganz anders wirkte sowas, so ein Großrechner in Wirklichkeit, wenn eine es nur irgendwie aus dem Fernsehen als kurzen Bildeindruck kannte.
Sowas, also so ein Rechenzentrum, beeindruckt halt eine 15-jährige Heranwachsende und führt zu weiterer Neugier. Und zu einer unliebsamen Erfahrung, nämlich wie eine mit unvorsichtigen Tastendrücken (waren nur drei) auf dem Terminal ein ganzes System zum Absturz und damit zum Neuhochfahren (emsiges, eine halbe Stunde langes Herumtippen auf einer Teletype!) durch einen verärgerten Diplomanden bringt. Was für ein Schrecknis! Aber so harmlos wie ich tat, wurde ich nicht damit in Verbindung gebracht. Da bibbert dann eine doch innerlich, dass niemand etwas verloren gegangen ist, oder wie unerfahrene Mädchen so sind, denken die wie ich auch dachte: „Hoffentlich habe ich nix kaputt gemacht“. War nicht, aber so manche Berechnung musste neugestartet werden.

Programmieren mit Lochkarten für statistische Auswertungen der Biochemie in FORTRAN für einen Diplomanden im Aufbaustudium, ein Verwandter. Eigentlich nur Eingabetätigkeit (Lochkartenstanzer) ohne zu wissen, was FORTRAN ist. Und das Füttern der Lochkartenleser.

1978

Christiani SC/MP
Einplateinenrechner (Lernsystem) mit Hextastatur und -display

Erstkontakt mit einem sogenannten „Computer“. Den brachte ein Bekannter meiner Familie, er war Ingenieur, mit. Das Teil wanderte irgendwann als Geschenk in meinen Besitz über als ich zu neugierig wurde und derjenige mich fördern wollte.
Neugieriges Probieren und Lernen. Auch wenn es nur Addieren oder Subtrahieren oder das Blinken von LEDs oder irgendwelche Ausgaben auf Hex-LED-Displays waren.

Programmierung mit Hexcode in Maschinensprache.

Computerspiel Pong
Erstes Computerspiel (damals noch ohne Digital-Bausteine!) in Form einer großen Kiste am Fernseher. So eine Art Tennis. Gehörte nicht mir und war auch ziemlich schnell langweilig.

1980

HP 85
Tischrechner des Gymnasiums

Erstkontakt mit einem Tischrechner im Rahmen einer Facharbeit der Physik.
Allerdings lag mir die seltsame Programmiersprache mit UPN-Logik damals nicht. Und so wurde aus der Facharbeit Astrophysik mit Programmieren eben Atomphysik mit Experiment.

1981

Microprofessor I Z80
Einplatinenrechner mit Z80-CPU, EPROM-Brenner(!), Videokarte und Kassettenrecorder als Massenspeicher.

Erster selbstgekaufter „Computer“; alles andere wie TRS-80, EACA Trommeschläger Genie II oder PET 2001 war ja sauteuer. Obwohl damals Conrad einen durch den S-100-Bus erweitertbaren EACA Genie I, II und III hatte, der einigermaßen bezahlbar war und mich reizte, lagen die Preise nun doch zu hoch.
Nicht dass dieser Microprofessor jetzt billig war; ein paar Hundert DM hat es schon gekostet, aber wozu gab es eine liebe Ur-Oma (Danke!), die dabei zuhören konnte, was eine junge technikbegeisterte Frau interessierte, nicht als Unsinn abtat. Eltern hatten damals keine Einsicht für eine solche Investition, dass sowas wirklich nötig war, was ein erhebliches Theater nach sich zog. Für mich war diese Investition damals wichtig, ich hatte mit dem System viel gelernt und auch damit den Wunsch Informatikerin zu sein sehr gestärkt. Zudem ich schon damals sehr dickköpfig war.
Erste Programmierversuche auf einem Z80-CPU-System mit Maschinencode, Assembler und Basic.

Z80-EMUF
Z80-Einplatinenrechner

Der EMUF hatte mich so richtig neugierig auf Computertechnik gemacht. Zudem gab es damals die Zeitschriften mc und ELRAD. Da wurde eine an Elektronik und Digitaltechnik interesierte schnell fündig und die „Bastelrechner“, die dort als Projekte besprochen wurden, ein später Dank auch an den WDR Computer Club sowie Rolf-Dieter Klein, waren auch einigermaßen erschwinglich und eine lernte was dabei über Mikrocomputer.

Steuerungssystem für einen DEC Typenraddrucker.
Programmierung diverser Steuerungen.
Multitasking-Betriebssystem für Z80-EMUF.
Eigene Erweiterungen des Betriebssystems des EMUF.
Erweiterungen der Elektronik (analog und digital) des EMUF mit eigenen Platinen.

1982

TI 59
Programmierbarer Taschenrechner mit Magnetkartenspeicher.

Ein nützlicher Helfer während des Studiums der Elektrotechnik.
Das Teil hat erheblich zur Vereinfachung der Berechnung von Elektronik oder Statik damals beigetragen. Ohne einen programmierebareen Rechner wäre eine auch schon damals, wenn sie kein Genie war, aufgeschmissen. Leider war das Teil ein Batterienfrsser, hatte wenig Speicher und konnte nicht sehr viel.

Osborne 1
Portable mit Z80 CPU und Digital Researchs CP/M

Nur eine zeitlang leihweise.

Da habe ich den Umgang mit CP/M, einem ersten ernst zu nehmenden Betriebssystem für Microcomputer, gelernt und den ersten tragbaren Rechner gesehen. Tragbar? Na ja, wie eine es nimmt – eine Kiste von, glaube ich in der Erinnerung, ca. 20 kg.

1983

HP 65
Programmierbarer Taschenrechner mit Magnetkartenleser.

Nützlicher Helfer während des Studiums. Ein besseres Gerät als der TI; auch wenn die UPN beim Programmieren nicht unbedingt jeders Sache ist.
Magnetkartenleser, Speichererweiterung, Drucker. Und es gab damals schon diverse Programmierhacks, um das System zu patchen, es in Maschinencode zu programmieren, und so das Gerät zu mehr Leistung zu bringen,

Apple ][
PC von Apple® mit Z80-Zusatzkarte und CP/M

Endlich eine Kiste, bei der ich ein bisschen Programmieren durfte und auch die Elektronik nicht zu kurz kam. Zudem war der Apple damals das angesagteste System.

Entwicklung der Elektronik für eine A/D-Wandlung für den Apple und Programmierung einer musikabhängigen Lichtsteuerung zur Ausgabe auf Bildschirme für Diskotheken.
Programmierung einer Steuerung für eine erweiterbare Licht-Matrix für Diskotheken und Schausteller.

Commodore C64
Tischcomputer mit 6502-CPU und Kassettenrecorder als Speichermedium

Nur eine Zeitlang benutzt, zu spielzeughaft (nur Spiele und BASIC) und als Z80-Anhängerin und BASIC-Hasserin abgelehnt.

1984

Telefunken Großrechner
Programmieren in Pascal an der FH München.

Das war ein Raum mit lauter blauen Schaltschränken (Telefunken-typische Farbe!, wohl TR 440) und Terminals. Allerdings war das System über die Terminals so langsam und unkonfortabel zu bedienen und immer war zu wenig Zeit zum Üben, weil der >Andrang auf den Rechner so groß war.
Also bewog ich dann jemand aus der Familie dazu, doch einen Mikrocomputer anzuschaffen, schließlich „nützt das dem Studium“ – so ein Argument zieht dann immer.

Europlatinenrechner
Projektierung und Herstellung verschiedener Rechner auf Europlatinenbasis (Eurokartensystem) mit Z80 unter CP/M; teils als Entwicklungssystemrechner und Anwendungsrechner.

Diese Eurocardrechner haben mich dann zu einer ziemlichen Computerexpertin im Bereich Technik gemacht. CPUs liefen maximal bis 12, maximal 16 MHz. RAM gab es im Bereich bis ca. 256 MByte, das reichte allemal auf den Z80-Systemen aus. Damals konnte eine noch den Übergang der Floppy Disks von 8" (800 KByte) zu 5¼" (1,44 MByte) und später sogar zu 3½" (1,44 MByte) mitmachen. Festplatten hatten damals noch 11 oder 8" Größe und konnten vielleicht mal 128–256 MB speichern. Und bei den ICs waren die Bausteine auch noch um einiges größer als heute.
In jedem Fall habe ich auch durch das Kennelernen von CP/M und diversen Programmiersprachen zu unterscheiden gelernt, was taugt und was nicht. Zudem schon damals MSDOS™ auf dem Markt war, allerdings bit einem gruseligen BASIC.
Als eine, die durch Fachzeitschriften wie c’t und mc informiert war, konnte kaum BASIC als sinnvolles Mittel annehmen. Damals war Pascal und Modula2 en voge.

Systemadministration und Schulung von Bekannten im Bereich CP/M.
Programmierung von Verwaltungs- und Finanzkalkulationsprogrammen mit Turbo-Pascal und Modula2.
Programmierung eines Grafiksystems mit Trackballsteuerung mit Turbospascal und Z80-Assembler.
Programmierung von diversen Steuerungsprogrammen für Z80-EMUF mit Assembler.

1986

Rockwell AIM 65
Entwicklungstischrechner für 6502-CPU

Als Elektronikerin und Programmiererin in einem Ingenieurbüro in Nürnberg. So kleine „Klitschen“ bieten interessante Aufgaben und Tätigkeigtsbereiche für junge Elektronikerinnen und Informatikerinnen.
So bin ich nämlich in die Steuerungstechnik gekommen und konnte auch die interessante Programmierprache Forth kennenlernen. Ich würde es heute das Perl von damals nennen. Jedenfalls genauso faszinierend und erweiterbar.

Berufliche Nutzung als Assembler- und Forth-Entwicklungssystem für 6502 und 6511-µController.

µController auf 65xx-Basis

Steuerungen mit Forth und 6502-Assembler.
Entwicklung von Baugruppen für die Peripherieanbindung der Controller.

1987

IBM-kompatible PCs

Nachdem ich ja genügend Erfahrungen durch meine Eurokartenrechner hatte, war es ein Klacks, die schlechte Imitate der Eurokarten-Industriesysteme (schlechtes Stecksystem, bis heute; riesige Bauzgruppen mit wenig Funktion) auch aufzubauern. Für die meisten waren die IBM-kompatiblen Rechner das A&O und so zogen diese auch in die Industrietechnik ein.
Natürlich nicht nru die Hardware sondern auch Programme auf den PCs; diese wurden damals meist mit Borlands Turbo-Pascal, 8088-Assmbler oder seltener mit Turbo-C programmiert.

Projektierung von PCs
Programmierung mit PASCAL, Forth und Assembler von Bedienoberflächen für Steuerungen in der Automobiltechnik.
Programmierung von Verwaltungssoftware mit DBase II.

Schneider PCW 9512

Eine ganz nette Kiste, der Schneider Joyce Plus. Gekauft wurde der für jemand in der Verwandschaft als Verwaltungsrechner im Elektromeisterbetrieb. Betriebssystem CP/M und Textverarbeitung mit Wordstar sowie DBase und Basic.

Programmierung einer Lagerverwaltung für Elektromeisterbetrieb.
Programmierung einer Abrechnung für Aufmaße.

1989

Micro-VAX

Fortbildung als C-Programmiererin.
Administration und Userunterstützung.

LANs mit IBM-kompatiblen PC

Administration und Userunterstützung.

1990

IBM-kompatible PC

Programmierung von Abrechnungssystemen
Schnittstellenprogrammierung von PC- zu UNIX®-Systemen
Schnittstellenprogrammierung für Drucker auf UNIX.

Apple Macontosh 128

Berufliche Nutzung als Textsystem

1990 bis 1999

Diverse PCs

Freiberufliche Tätigkeiten in der Programmierung mit C, C++, Pascal, SQL, dBase.

2000

Fortbildung als DTP-Fachfrau, Multimediafachfrau und Webdesignerin.
Programmieren in Lingo, Flash ActionScript und JavaScript.

Webprogrammierung in PHP und später in Perl.

Betriebssysteme

  • CP/M
  • DR-DOS
  • MS-DOS
  • Windows 3.1, NT

Programme

  • Pascal
  • Z80-Assembler
  • ZASM
  • Turbo-Pascal
  • Turbo-Assembler
  • Modula 2
  • FORTRAN IV
  • dBASE II
  • Turbo C
  • Turbo C++

Literatur

Jedenfalls alles was eine so gelesen hat als Elektronikerin und Informatikerin und fü wichtig hielt. Zudem hat es ja damals nicht so viel auf dem deutschen Markt gegeben.

Zeitschriften

  • Elrad
  • Funkschau
  • mc
  • Chip
  • c’t
  • BYTE
  • Dr. Dobbs Journal
  • Vierte Dimension – Fachzeitschrift über Forth

Fachbücher

Unsinnigerweise muss eine ja auch Fachliteratur gelesen haben, um so einen Wust von mehr oder weniger nützlichem Wissen und Fähigkeiten zu erlangen.

Aus der Erinnerung (weil nicht mehr im Schrank) waren dies wohl:

  • Zaks: Programmieren des Z80
  • diverse Zilog, Intel Handbücher über die ICs und CPUs
  • diverse Digital Research CP/M Handbücher
  • Klein, Mikrocomputer selbstgebaut und programmiert
  • Miller: Mastering CP/M
  • Brodie: Thinking Forth
  • Brodie: Starting Forth
  • Armstrong: Learning Forth
  • Kernigham & Ritchie: Programmieren in C. ANSI C
  • Wirth: Programmieren in Pascal
  • Wirth: Compilerbau
  • Wirth: Programmieren in Modula 2
  • Wirth: Algorithmen und Datenstrukturen mit Pascal
  • Wirth: Algorithmen und Datenstrukturen mit Modula-2

Und was weiß ich noch. Lange her …

Abschließendes

Meine Güte, was für eine Menge an altem Zeugs. Aber es hat was gebracht. ;)

Autor: GwenDragon · Kategorie Computer · Permalink · Kommentare (0) · Kommentar schreiben

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