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Sonntag, 16. September 2007

Feminismus, Spiri und Gemeinschaft – (k)eine Unverträglichkeitsreaktion?

16.09.2007 · 20:32
Spiritualität, Politik, Feminismus? Als exklusive Mischung? Was bitte daran ist politisch? Nichts. Und deswegen fällt nach altfeministischem Glaubensgrundsätzen auch Spiritualität und alles was damit zusammenhängt – sei es Religion, Philosophie, Schamanismus – aus dem politischen Rahmen und damit aus dem Frauen-Universum.

Die viel beschworene Frauengemeinschaft, in der alles Private politisch ist, hat etwas gegen das Unerfassbare. Spiritualität existiert nicht innerhalb von Denkgebäuden akademisch ausgebildeter Frauen. Das ist Nicht-denkbar, das Unfassbare. Also muss es irgendwie gedacht oder erdacht werden.
Wenn es überhaupt zu einer spirituellen Gruppe feministischer Frauen kommt, werden oft sektenhaft starre Regeln und Glaubensgrundsätze postuliert, um das Erfahrbare und Erfahrene denkbar und sichtbar zu machen. Inwieweit Erfahrbares überhaupt in Denkkategoriern zu pressen ist? Gar nicht.
Was nicht gedacht und erforscht werden kann, existiert für viele Frauen nicht, da nehmen sich so manche Feministinnen nichts von den Herren der Schöpfung, die auch alles Denken müssen. Weltbilder werden vermittels diffuser Ideen, Visionen und Frühzeit- oder Altertumsromantik zusammen gekleistert oder passend zurecht gestutzt.
Ein bisschen starre Haltungen á la Goodman hier, ein bisschen Figurenanbetung nach Gimbutas da, ein bisschen Göttin, ein bisschen Magie mit Francia, ein bisschen Separatismus á la lesbiènne, ein bisschen Schiran, eine Prise Kreistanz, ein bisschen Indianer … Alles ein bisschen. Fertig ist der Spiri-Eintopf.
Und was nicht passt, wird zusammengeschrumpft und eingedampft. Hauptsache, es passt zur Idee der Lehrerin oder Meisterin, der Gruppe oder angestrebten späteren Ideologie. Mit dem, was woanders als Spiritualität in anderen Frauenkulturen gelebt wird, hat das kaum zu tun.
Eine Kritik am starren Handeln und Denken, von Erfahren oder Erspüren mag ich gar nicht reden, wird als Unterwanderung oder Zersetzung abgetan, diesen Frauen wird die richtige feministische und spirituelle Einstellung abgesprochen. Oder es wird derjenigen vorgeworfen, sie wäre noch nicht soweit (geistig gesehen, nicht intellektuell weit genug) oder eben nicht genügend ausgebildet in Diesem und Jenem, sie verharre in alten Denkmustern des Patriarchats oder würde schlichtweg ein Psychodrama aufführen.

Wonach wohl gesucht wird? Nach dem richtigen Weltbild, das an alte Zeiten in Europa anknüpfen soll. Das Zeitalter, in denen Frauen noch (angeblich) mit der Natur und Wildnis verbunden waren. An dieses sollen Frauen herangeführt werden; durch Lehrerinnen, Meisterinnen der Magie oder des Schamanismus. Dass das Erweitern der sektenhaften Gruppe und die Belegung von wenig kostengünstigen Kursen im Vordergrund steht, wird von den Frauen dieser Gruppen oft und gern übersehen oder negiert. Es gehe um Frauenzusammenhänge, einer Erweiterung des Weltbilds oder Bewusstseins. Dass sich auch unter Frauen Gurus (oder sollte es besser Gurinis heißen?) entwickeln, die gut und gern vom pekunären Geben der anderen leben, das liegt in der Sache begründet und wurde oft schon miteingeplant, sprich von Vornherein erdacht. Zudem sind kleine und größere Gaunereien von Frauen auch gerade in diesem Bereich verbreiterter als es die Suchende glaubt. Im Grunde genommen ist alles was da an Spiritualität verpackt wird, typisch Westlich. Nepp, Workshopping, Spiri-Hopping, Rituale, Psychologie. Und das alles mit einer großen lila gefärbten politisch korrekten Prise Frauengemeinschaft.

Nun, unter Gemeinschaft kann eine viel verstehen. Die meisten Gruppen sind nicht selten von Konkurrenzgehabe geprägt, von Besserwisserei. Eigene Nabelschau einzelner, wenn gar der Meisterinnen oder die Abwertung anderer spirituell tätiger Frauen ist wie woanders auch ein beliebtes Mittel, um sich abzugrenzen. Neulinge werden einer intellektuellen Gewissensprüfung unterzogen, die Bundeswehrverweigerer kaum durchmachen müssten. Ja, auf die richtige Gesinnung (anscheinend ein altlinkes Phänomen) kommt es an. Die eigene Existenz reicht eben nicht. Für oder Dagegen – frau muss das wissen, wer Feind und wer Freundin ist. Es ist sehr wichtig, dass auch nach Außen ein Feindbild existent ist, denn das stärkt den inneren Zusammenhalt oder, um es einfacher zu sagen, schürt die kleine Paranoia.

Altbekanntes in neuen Klamotten. Schade.

Das Leben mit oder ohne Spiritualität ist für eine doch viel zu kurz, um sich mit feministischen Einschränkungen herum zu ärgern. Nicht jeder Weg in die Freiheit führt über eine Frauen- oder sonstige Bewegung. Und welche glaubt, sie brauche Feminismus, um gynozentrisch zu sein, etwas für und mit Frauen zu machen, die täuscht sich.

Autor: GwenDragon · Kategorie Feminisma · Permalink · Kommentare (0) · Kommentar schreiben

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