Ich rede hier von der „Monatshygiene“ – igitt, das riecht und hört sich enorm nach Schmutz an!, denkt sich da die Leserin – Hygiene, die nach herrschender Meinung notwendig ist, ja zyklisch uns weibliche Wesen überfällt, wenn die Mens kommt.
Kleiner Diskurs für diejenigen, die niemalsnicht von keiner Mens heimgesucht werden und wurden: Der Begriff Monatshygiene stammt noch aus der Zeit als die Frau für Männer, ganz besonders die Herren der Wissenschaft, ein geheimnisvolles, mythisches, gänzlich unverständliches Wesen war. Eine Zeit, in der die Frau während ihrer Mens als schmutzig, unrein angesehen wurde, wo die Mens die Milch sauer machte, der Gestank der Frau ohnmächtig werden ließ, nach Plinius’ Meinung den Wein versäuerte, die Frau zu dieser Zeit als verrückt angesehen wurde, Hunde tollwütig werden ließ, Pflanzen verwelken ließ, die monatliche Blutung nach Paracelsus’ Gift absonderte, all diese Mythen über die Unreinheit der Frau.
So manche Herren reagier(t)en auf die Mens oder einfach auf die Möglichkeit, dies haben zu können, mit Abwehr, Abscheu oder gar Hass. Mir ist noch der mehr oder weniger feministische Witz unbekannter Herkunft im Gedächtnis, warum Frauen nicht an die Uni durften oder dort ungern gesehen waren: Sie verunreinigen dort den schönen weißen Marmorboden – platsch, platsch.
Ein weiteres Beispiel der negativen Einstellung zur Mens ist mir selbst familiär geläufig. Ein männliches Familienmitglied reagierte aggressiv auf eine offen im Bad stehende Tamponpackung mit: Muss der Weiberscheiß hier rumstehen!?
Worauf die Packung O.B. mitsamt den Binden tief hinten im Schrank verschwand, schließlich wollte eine den Alten nicht noch gefährlicher machen.
Die Mens und die solcherart menstruierende Frau muss doch gefährlich sein, oder nicht?
Gegen solche Mythen hilft auch kein Crashkurs über die Menstruation, so gut gemeint sie sind. Mädchenblog greift gar die These auf, was passieren würde, wenn Männer menstruieren. Gloria Steinem hat darüber ein Essay If Men Could Menstruate
geschrieben. Gar lustig ist auch eine Webseite für deutsche Sprache, in dem er menstruiert – ich liebe solche Unlogik der Herren. Es werden gar schon soziologische Diplomarbeiten über die Mens in South Park geschrieben. Selbst Menstruationstassen gibt es – Was macht eine bitte damit!? Oh, Wikipedia sagt es mir. Und selbst virtuelle Buchläden biten viele Bücher und Anderes an, wie Amazons Suche für Menstruation zeigt. Frau und Mann, wenn er reindarf, muss also nicht mehr verstohlen einen Frauenbuchladen besuchen. Das Internet bietet sogar ein Museum über die Mens. Genügend Foren gibt es auch, welche sich über diese Thematik auslassen. Warum also noch solches Unwissen heute in Zeiten der freien Informationswelt?
Die Mens ist immer noch ein Tabu, wobei der ursprüngliche Begriff Tapu ja heilig bedeutet und nicht wie heute negativ, als Verbot, besetzt ist. Dieses Tabu als Schlechtes haben die diversen Vater-Gott-Religionen zementiert und als Übel weiter getragen.
Aber die Zeiten haben sich ja geändert, nach der sexuellen Revolution der 68er und Jugendzeitschriften wie Bravo. Schließlich sind Jugendliche aufgeklärt, oder? Oder doch nicht? Die Dr.-Sommer-Studie hat jedenfalls herausgefunden, dass es da noch Handlungsbedarf gibt.
Im Artikel Mädchenfrage fragt die Autorin xifan-yang, sozusagen als Vertreterin der Mädchen, warum Tampons für uns wichtig sind, warum so manches Mädchen Binden benutzt, was Lust mit der Regel zu tun hat. Und die Jungs antworten auch, in der Person des fabian fuchs. Die Jungens bitten um Verständnis, dass sie so wenig Ahnung haben, weil es ja so selten passiert, sie ja es nicht selbst haben und das deswegen so interessant ist, sie auch Verständnis für die Launen zu dieser Zeit haben. Aber sie fordern auch einen offenen Umgang mit der Mens, damit nicht immer im Dunkeln getappt werden muss.
Schöner Artikel, köstlich, zum Lachen. Eben die Irrungen und Wirrungen der Pubertät.
Was ich ich froh, dass ich das Problem der Mens mitsamt der Männer nicht habe.

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