Wieder einmal medienwirksam wurde gemahnt und gedenkmalt. Die Mahnmalkultur erfasst ab und an Politiker und Teile der Gesellschaft. Ich habe nichts gegen Erinnerungsorte; nur stellte sich mir die Frage: Warum so ein gräßlicher Betonklotz, Marke Führerbunker mit Schießscharte?
. Und wieso muss innen, einsichtig durch diese Schießscharte
, anders kann ich diese kleine viereckige Öffnung in dem Betonbau nicht nennen, ein schwules Paar sich küssen? Was hat das mit Gewalt, Verfolgung zu tun? Und was hat das mit den Homosexuellen zu tun. Oder wird da gar nur der Homosexuelle gemeint, sprich Schwule? Nun ja, Homosexuellenmahnmal impliziert nach üblichem Sprachgebrauch eher die Männer.
Das hat ja auch mit der Realität zu tun, denn während der Naziherrschaft wurden ja nur die Männer auf Grund des §175 verfolgt, gefoltert, in KZs und anderswo ermordet. Frauen fielen nicht unter diesen Paragrafen. Die in ihrem Männlichkeitswahn verdrehten deutschen Juristen und Politiker konnten sich kein Miteinander von Frauen vorstellen, das wohl über Kaffeetrinken, Klatsch, den Gatten und Führer anhimmeln, hinaus ging. Zudem für einen echten Mann
, Hetero, ein Schwuler ja nun öfters bedrohlicher ist als eine Lesbe. Wie gesagt, wenn Frauen lesbisch waren, fielen sie im Nazireich eher unter die Paragrafen für Asoziale oder Huren, waren faules, unmoralisches Gesindel. Eine Frau konnte ja auch noch auf den rechten Weg gebracht werden, durch Heirat, Vergewaltigung oder manchmal beidem. Ansonsten blieb ja immer noch die Möglichkeit sie zu Gefängnis zu verurteilen oder eben doch ins KZ zu verschicken, in denen sich das Problem Lesbe oder asoziale Frau dann auf die deutsche gründliche Art und Weise geregelt hat.
Zur Situation der Lesben im Dritten Reich gibt es einiges zu Lesen und zu Hören, aber das würde hier zu weit führen und darauf werde ich wohl später vielleicht zurückkommen.
Die Emma meint zum Mahnmal, dass die Frauen vergessen wurden. Ja, so kann man es auch nennen – vergessen, nicht ignoriert. Allerdings hat dann eine Protestaktion dazu geführt, dass auch der Lesben mitgedacht wird. Wie?
Und natürlich haben sich die zwei Künstler Elmgreen und Dragset, Erschaffende des Mahnmals, in der Taz zum Inhalt der Küss-Box geäußert: einfach eine emotionale Szene zwischen zwei küssenden Männern
. Keine schwulen Männer!? Nein, doch?
Sollen sich Lesben da mitgemeint fühlen? Nun – im Prinzip Ja, denn dieser Film, der im Inneren abläuft, soll auch bald, in ein paar Jahren, ein lesbisches Paar beim Küssen oder Sonstwobei zeigen. Somit wechselt dann das schwul-lesbische Herumgeknutsche und -gemache bis die Welt untergeht oder der Strom im Mahnmal ausfällt.
Konkret ist das Mahnmal, ja genau, so wie concrete (en. Beton), ein hässlicher Betonklotz, ohne Aussagekraft. Unansehnlich, ohne eine Sehnsucht des An-Sehens zu erzeugen, eher des Denkens zu erzwingen. Nicht mehr.
Interessant ist halt, dass das kleine Guckloch mich merkwürdigerweise eher an eine Spannnerei nach Innen erinnert als an einen Einblick in lesbsiche und schwule Kultur, Verfolgung im Dritten Reich. Wohl auch so eine provokative künstlerische Idee oder einfach nur einfallslos.
Dass es Ein Denkmal der Intimität, das auf direkter persönlicher Konfrontation basiert
(TAZ) ist, macht mich kirre. Die Konfrontation mit was? Zwei jungen Kerlen, die in einem Betonquader gefangen gehalten werden und sich unentwegt küssen müssen? Ein virtueller Abklatsch von schwulem Leben? Eine Art Geist, in der Flasche, gefangen bis zum Ende der Tage? Das ist Intimität? In so einer Umgebung? Das hat ja was von einem üblem Märchen aus dem Hause Grimm.
Aber das sollte es wohl sein: ein Kunstwerk, das Irritationen hervorruft, so wie jeder küssende Schwule auf der Straße auch ebensolche oft erzeugt.
Dass dieser Betonklotz dem Mahnmal für die ermordeten Jüdinnen unf Juden (oder im offiziellen Sprachusus Holocaust-Denkmal genannt) so verteufelt ähnelt, ist von den Erbauern dieses Mahnmals beabsichtigt.
Wozu die provokative Gleichheit?
Für mich als lesbische Frau ist das Konzept dieses Mahnmals nicht nachvollziehbar. Aber was versteht eine alte Frau schon von solchen Polit-Kultur-Medien-Happenings!?
Es gibt bessere Konzepte des Gedenkens und Sichtbarmachens. Die Stolpersteine sind so ein Sichtbarmachen und -werden auf eigene Art und Weise. Steine oder Bronzeschilder, auf denen einzelne Namen stehen.
Nicht wie diese namenlosen Denkstelen und Mahnruinen in fast quadratkilometerweiten Räumen, die aus dem post-national-sozialistischen Boden geschossen kommen, nach einem moralisch einwandfreien Regenguß der Erinnerung mit Ge-Denkzwang gedüngt.
Dieser Betonklotz wird dann wohl bald eine schöne Wand zu Bepinkeln und Besprühen sein. Und bestimmt finden sich auch betrunkene Jugendliche jeglicher politischen Couleur, die dann flaschenschwenkend und -werfend gegen diese Gekenkschönheit angehen werden. Da bin ich sicher.
Was für eine elende Geldverschwendung. Ein paar Lesben- und Schwulenprojekte hätten bestimmt gern einen Teil oder die 600.000 Euro ganz gehabt. Aber bitte, wir haben es ja in Deutschland ganz dick, für nutzloses Zeug. Wir lassen uns das schlechte Gewissen was kosten.
Für mich bleibt das ein teures Schwulendenkmal.

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