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Freitag, 02. November 2007

Der BackLesb – Ein Zurück in die Heimeligkeit des Lesbianismus?

02.11.2007 · 14:52
Die Zeiten und Frauen werden wieder konservativ. Auch genügend Lesben, mit einem großen Schuss fundamentalistischem Lesbianismus. Konservativ im Sinne von: den Blick zurück wenden, alte Werte als Norm setzen und sich zurückziehen.
Vorbei die Zeiten, in denen lesbe sich selbst definierte.
Es reicht niemals, sich selbst zu definieren! Nein, das wäre eine zu hohe Freiheit der Einzelnen und würde eine feministisch oft postulierte erwünschte Gleichheit zerstören. Die richtige Erziehung zum vom Patriarchat unterdrückten Mädchen, die schon in der Jungmädchenzeit gehabten Nur-Mädchen-Beziehungen, der intakte Genstatus (in Form XX), der Sex mit anderen (Nur-)Lesben, intakte äußere und innere Geschlechtsorgane, das feministische ausschließende Denken – all dies dient dazu, lesbe mit dem feministisch geschulten Blick (von Außen) als Richtig lesbisch zu definieren und dies oft genug von Lesben selbst. Eben die lesbische Form von Feminismus gepaart mit Separatismus. Gibt es Irritationen beim Herausfallen aus der Norm, führen die schnell zu Ausschluss oder erheblichen Einschränkungen.

Verstaubte 70er-Jahre Ansichten werden da gern, besonders von den Älteren aus den heimeligen Ecken des Feminismus, in dem noch heldinnenhaft gegen Unterdrückung und Unrecht bei Frauen und gegen Männer gekämpft wurde, ein wirkliches Feindbild herrschte, ausgepackt und als Standard definiert. Wer dagegen verstößt, fliegt aus dem Lesbiversum1. Raus!
Alte Normen, diesmal nicht von Papi sondern Mama L. neu gemacht. Aber wer gibt schon gern die Definitionsmacht aus der Hand.
Wie P. Frere schon wusste, neigen Freiheits- oder Separatistenbewegungen leider zur Unterdrückung der eigenen Leute. Und ein Abweichen oder Anderssein ist unter Frauen selten beliebt und respektiert. Und je machtloser und unsichtbarer, desto unterdrückender und schädigender fallen die Maßnahmen gegen die sich nicht in Normen zwängen wollende Lesbe auf.
Altes Problem, immer noch beliebt bei manchen Lesben, ganz besonders, wenn es um Macht und Anerkennung geht.

Ich nenne das den Backlesb wie der Backlash. Wenn Feminismus und Lesbenbewegung dazu her geht, Frauen wieder in uralte Definitionsmuster und Zwänge zu pressen, dann gesellen sich die beiden gut und gern zu den Herren und Damen Rechtskonservativer. Da ändert sich auch nichts daran, dass so manche Fundi-Lesbe angeblich links ist. Zurück in die heimelige verstaubte Stube des Feminismus der 70er1 und Mund halten oder Raus!, das ist es was so manche gern hätte.
Dass bei dieser Zwangsnorm auch leider der Frauenhass von Frauen gegen andere Frauen durchschimmert, wen wundert es. Nein, natürlich hat eine feministische Lesbe diesen internalisierten Frauenhass und Selbsthass aufgearbeitet, oder? Selbstverständlich, sonst wäre sie keine Lesbe.

Wo es sowas gibt? Anzutreffen seit Jahrzehnten zu Pfingsten auf den LFTs. Oder in Frauenzusammenhängen oder Frauenzentren. Zeitweilig auf Workshops. Feminismus macht eben nicht frei. Oder gibt es da noch etwas anderes?

Unglaublich? Nö.
‘The L-World is cosy and warm. We are all lesbians.’

Feminismus lässt sich zum Glück abstellen. Klick…

Bin ich jetzt etwas neoliberal oder gar eine Andristin geworden?
Kaum – aber bestimmt gibt es auch dafür Denknormen im Lesbiversum.

  1. [1] bezeichnet das eingeschränkte Weltbild, das Frau betreten muss, sollte sie lesbisch-feministisch leben wollen.
  2. [2] Eben zu Jung mit 10 Jahren für feministische Ideen und Demos.
Autor: GwenDragon · Kategorie L World · Permalink · Kommentare (0) · Kommentar schreiben

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