Auch wenn es schon älter ist, aufgeschnappt im Web; schließlich bin ich nicht katholisch und höre, lese oder sehe auch sonstige Jahresendansprachen ungern.
Aber dass der Papst sich jetzt mit Biologie auskennt, ist schon merkwürdig.
Er predigte nämlich zur Weihnacht letzten Jahres folgendes: Die „Ökologie des Menschen“ basiere auf dem Respekt der menschlichen Natur und der Zweigeschlechtlichkeit
.
Ah so. Mal nachdenken, darüber. Und brainstorm-artig ableiten.
Natur des Menschen
auf dem Respekt der menschlichen Natur
soll heißen, verändere den Menschen nicht, denn das wäre gegen die Natur.
Damit wäre allerdings auch die Behandlung von Krankheiten verboten, denn auch Krankheiten sind natürlich und nicht vom Teufel gemacht.
Geburtshilfe und Brutkästen? Respektieren diese die Natur der Geburt? Nein. technisches Machwerk kann niemals Natur sein.
Schmerzmittel? Unnatürlich, weil Schmerz und Leiden zur Natur und zum Christentum ganz besonders gehört.
Kondome zur Verhütung und gegen Geschlechtskrankheiten durch männliche Übertragung? Unnatürlich. Strafe muss sein.
Unverheiratet bleiben und keine Kinder bekommen oder zeugen? Unnatürlich. Denn iin der Natur vermehren sich doch auch alle.
Homosexualität. Nicht nur Sünde sondern auch unnatürlich, weil sich Männer und Frauen gegen ihre natürliche Bestimmung zur Kopulation zwecks biologischer Vermehrung wehren.
Wieso verhält sich eigentlich der Papst gegen die Natur und Bestimmung des Menschen? Er ist nicht verheiratet, hat weder Frau noch Kind. Unnatürlich, gegen die Natur.
Er respektiert also nicht die Natur des Menschen.
Geschlecht
Die Gender-Therie, die sich mit dem Zusammenhang von Geschlecht im sozialen und körperlichen Sinne und der Determiniertheit der Geschlechter beschäftigt, weicht seiner Meinung nach die göttliche Schöpfung auf.Dahinter stehe ein Versuch des Menschen, sich von der Schöpfung zu emanzipieren
, sagte Papst Bendedict.
Nein, das ist nicht erlaubt. Der Mensch soll nach dem Willen der Natur und Gottes leben. Basta!
Was versteht der Papst schon davon. Weltabgewandt und unter lauter Männern lebend. Na gut, Maria, die Jungfrau ist ja auch eine Frau. So ganz ohne „Frauen“ lebt er wohl nicht. Aber ob das ausreicht, um zu wissen was Geschlecht und Leben bedeutet?
Manche in Worte gefasste Gedanken des Papstes wirken und sind mittelalterlich. Der Papst könnte auch ebenso behaupten, dass die Erde eine Scheibe ist, weil der Blick in die Ferne keine Kugel erkennen lässt sondern eine Ebene.
Kreationismus und Biologismus
Da kommen wirklich seltsame Gedankenkonstrukte zusammen, im Vatikan.
Die Ableitung von Wesen, Leben und Eigenschaften eines Menschen rein durch Gott und die Biologie ist totalitär. Und letzthin nicht ganz unbekannt, auch in Deutschland. Da wurden Wesenseigenschaften der Menschen auch rein durch deren Körper abgeleitet. Schädelform, Körperstatur, Haarfarbe, Augenfarbe oder gar Aussehen des Gesichts sollten erkennen lassen, wie ein Mensch ist und dass solche Merkmale genau zu diesem oder jedem negativen Verhalten führen. Und auch die Genetik als Teilbereich der Medizin und Biologie, also beileibe keine unwissenschaftliche Sektiererei, versuchte lange Zeit festzulegen, durch welche Gene oder fehlerhafte Chromosomen welches Verhalten bei Menschen zutage tritt. Mittlerweile ist das Humbug.
Der Papst kann sich mit seinem Biologismus und Altmachotum gerne in die Reihe der radikalen Fundamentalisten jeglicher Religion und Kreationisten begeben. Die feiern nicht nur in den USA fröhliche Urständ, leugnen Darwin und eröffnen Museen, in denen die 6-Tage-Schöpfung erklärt wird. Diese sind davon überzeugt, dass Gott die Welt und Menschen so und so schuf und nicht anders.
Zwanghaftigkeit der Gedanken?
Die Argumente des Papstes sind ähnlich den genannten religiös-pseudowissenschaflich-esoterischen Zwangsideen manch Anderer, die eher belächelt würden. Nur der Papst ist eben nicht Irgendwer. Er ist der Wertevermittler der Kirche. Und viele Christen rennen ihm erbarmungslos und gedankenlos hinterher.
Meint der Papst das so, ist er ein Menschenfischer oder Ratzenfänger mit lieblichen Tönen des Vatikans? Glorie ausstrahlen, Charisma, das hat der gute Redner Benedict – wie so manch anderer Deutscher der Geschichte auch, mit politischer Ausstrahlung und messianischem Sendungsbewußtsein.
Die Grundtendenz der Curie und der Kirche allgemein sind zum Fundamentalismus hin, in allen Bereichen.
Wie gut, dass die Kirche ihre Macht in der Gesellschaft verliert. Denn wir sind kein katholischer Gottesstaat mit der Inquisition als Gesetz.

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