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Freitag, 24. August 2007

Ist die Linke noch zu retten?

24.08.2007 · 00:20
Ja, manchmal stelle ich mir noch diese Frage. Wohl aus altmodischen, jugendschwärmerischen Aspekten. Denn wenn ich mir so anschaue, was linke Parteien so an gesellschaftlichem Ärger oder intellektuellen Irritationen verursachen, gruselt es mir. Also was reizt wirklich an der Linken in Deutschland?

Da heckt die SPD mit einem ehemaligen VW-Manager ein Paket namens HARTZ – wie schön, dass Sozial-Reformen nach deren unsäglichen Verursachern benannt werden, wohl immer als nachträgliche Ehrung – in verschiedenster Nummerierung aus und glaubt, dadurch die Wirtschft anzukurbeln und zugleich die ungerechten Sozialschmarotzer in ihre unterpriviligierten Schranken zu weisen, in denen sie dann staatsgeduldet und -überwacht ihr Dasein fristen.
Arbeitsminister reden weichgepült vom Aufschwung und Wachstum, auch wenn es nur ihr mediales Ego ist, das wächst.
Arbeitsämtler – nein die heißen ja jetzt Agentur, also Bundesagenturler (benahe hätte ich Agenten gedacht) – frohlocken beim statistischen Abbau des Mangels an Arbeit und Erwerb und dem Schönreden von realitätsfremden Statistiken.
Noch nie machte Mangel so viel Spaß wie heute!

Die Grünen – oha, die heißen ja eigentlich "Grüne/Bündnis-90" oder so (unsägliche Namensgebung!), seitdem sie von einer Multikulti-Ökö- zu einer Multipolitgruppenpartei dank des zwischendeutschenMauerrisses wurden – wurschteln oppositionell, weil durch Wähler aus der Verantwortung und Regierung gekickt, vor sich hin und bearbeiten brav ihre üblichen grünen Themen. Und sind natürlich ganz gegen das, was die jetzige SPD-CDU-Koalition macht.
Schnell vergessen ist der Unsinn, den sie mitentschieden haben. Halbwertszeiten von politischer Verantwortung sind meist kürzer als bei U 238.

Die PDS und die WASG, die ja jetzt neudeutsch-neureformiert und zusammengeschlossen Die Linke (als ob es eine und nur die eine geben würde) heißen, widmen sich dem Kampf für die Unterdrückten und für durch die derzeitige Regierung Entrechteten.
Da wird um Mindestlohn gerungen, gegen HARTZ 4 gewettert, da wird dieses und jenes gefordert. Nun ja, ohne Macht kann eine Partei viel fordern. Das ist ganz ohne die Gefahr des Handelnmüssens, denn sie bekommt es trotzdem nicht. Und das bisschen Opposition erschreckt leider keine Regierung.
Lafontaine und Gysi liefern sich zeitweilig ein Gerangel um Medienpräsenz, die jeder Diva Ehre machen würde. Aber ein einiges Bild kommt nicht zustande. Wieso also diese Vereinigung beider Parteien? Damit Ost und West wenigstens dort pseudo-zusammenwächst? Oder damit beide nicht am unteren absturzgefährdeten Prozentrand des Wahltellers dahinfristen müssen? Oder als Alternative zur SPD?
Wird sie vielleicht nur als Auffangbecken für die unzufriedenen Linken dienen, die sich enttäuscht von SPD und Grünen abwenden?

Andere Parteien des linken Gebildes kommen auch nicht in Frage. Die KPD bzw. DKP mit ihren ganzen Splittergruppen ML/MG sind verboten oder existieren aus Geldmangel nicht mehr. Zudem sind die KPD-Abkömmlinge deren MGler erfahrungsgemäß Schwätzer und Diskutierer und sonst nix. Denken als Maxime, Reden als Lebenszweck. Heiße, rot(wein)geblähte, zu Mauerzeiten noch wodkageschwängerte Luft von Alt-Naiven-68ern.

DIE FRAUEN ist auch keine ernstzunehmende Partei. Da wird Feminismus gepredigt, aber genauso kleinbürgerlich herumdiskutiert wie in der FDP oder bei den Grünen. Feminismus als Shador, als Denkmantel für kleinbürgerliche Forderungen. Als Versteck vor dem bösen Partiarchat. Aber ein inhaltliches Handeln wie es aus einem CDU-Ortsverein käme. Konservativ bis ins Mark. Und einengend wie es feministische Ideen nur hervorbringen können.

Doch was kommt wirklich dabei rüber bei Bürgerin und Bürger, was wählbare Linke anbelangt?

Wähl ich die SPD, wähle ich das, was die CDU früher war, nur ein bisschen pseudosozial. Nein, danke.
Wähle ich die Grünen, weiß ich nicht, ob die wieder so einen Unsinn mitragen wie zu SPD-Regierungszeiten, schließlich macht Macht auch vergesslich.
Wähle ich Die Linke weiß ich nicht, für was die wirklich stehen. Östlichen Sozialismus oder französisch angehauchte Sozialdemokratie. Oder einigen die sich immer noch, was sie wollen?

Ach ja, es gibt vieles in meinem Leben, da würden diese oben genannten Parteien einfach nichts vertreten oder abdecken. Wozu also Volksvertreter?
Da werde ich wohl beim nächsten Wahlsonntag wieder meine Freizeit außerhalb eines Wahllokals verbringen.

Autor: GwenDragon · Kategorie Gesellschaft · Permalink · Kommentare (1) · Kommentar schreiben

Kommentare

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#1 GwenDragon schrieb am 28.8.2007 21:37 folgendes:

Ich denke, auch meine zuletzt gewählte Lieblingsabgeordnete Kornelia Möller vermag meine Politikunlust derzeit nicht mehr zu retten. Es gibt einfach zu wenig Übereinstimmungen zwischen dem Programm der Partei und dem real existierenden Leben der GwenDragon. Oder vielleicht doch. Derzeit gäbe es nur zwei, die ich wählen würde. Frau Pau oder Frau Möller.

Jedenfalls trage ich mich immer noch mit einem Für oder Wider des Engagements für Die Linke. Noch ist die parlamentarische Demokratie nicht ganz gestorben für mich.

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