Selbstverzwergung. Das ist genauso wie die Selbstverwirklichung der 70er. Denn eine Schrumpfung des Selbst oder der Körpers ist ebensowenig möglich wie ein Selbst, das erst durch unsinnige oder sinnvolle Tätigkeit zum Leben erweckt, wirklich wird. Da findet sich im Forum der FDP etwas über ‚Ein beklemmendes Exempel der Verzagtheit und Selbstverzwergung‘. Schöner Titel – was der wohl bedeuten mag? Oder die allbekannte Suchmaschine mit dem bunten Schriftzug findet auch Selbstverzwergung, nicht massenhaft, nur etwas – wie verschämt wirkt es. Aber was das nun wirklich ist, die Verzwergung des Selbst, erfährt eine nicht. Mit Verzwergung, aus der Evolution kann es nichts zu tun haben. Wer weiß, wer diese Selbstverzwergung wieder erfunden hat!?
Oder die Existenz, die jemannd erst erwirbt, wenn er arbeitet oder eine Firma hat. Als ob Menschen ohne Arbeit sich in Luft auflösen würden und nicht vorhanden wären.
Das Präkariat (oder sollte es gar ein Prekariat sein?) als Ansammlung, Gruppe von Menschen, die keine Arbeit haben oder gar in „schlechten Verhältnissen“ leben. Das werden Zeiten, in denen es dann vielleicht in Kündigungen heißt: „Sie gehören jetzt zum gehobenen Prekariat, Herr Müller!“. Natürlich lebt Herr Müller dann mit Genossen; sie heißen ALG1, ALG2 mit den durch nummerierten Hartzen oder nur von Alk 1L (in Form von Wodka oder Korn) oder einem Kasten sonstwelcher Brüll-Brühe. Wundervolle Zeiten.
Die Ich-AG – eine Dummschöpfung von Politikern. Als ob Einzelpersonen eine Aktiengesellschft gründen könnten, was mangels Kapital schon gar nicht ginge. Aber Hauptsache, es hört sich seriös oder machbar an. Und seriös muss es ja sein, da es entweder einem hochdotiertem Politiker aus dem Mund entfleuchte oder gar in (Arbeits-, Werbe- oder Sonstwas-)Agenturen mit Hilfe großer Geldbudgets gefunden wurde.
Und noch ein nettes Arbeits(lager)wort: Humankapital. Ja, der finanziell orientierte deutsche Kaufmann berechnet gern, was und und wann ein Mensch etwas wert ist. Schließlich fanden früher in und durch KZs auch Sammlungen von (kriegs)wichtigem und vielfältig verwertbarem Humankapital statt.
Auch ganz deutsch ist die Freiwillige Ausreise. Darunter versteht der gemeine Gesetzesausführungsapparat die „freiwillige Entsendung“ von Asylbewerbern zurück nach „Hause“. Ist ja fast so germanistisch wie der „freiwillig emigrierte Deutsche“ jeglicher politischer Couleur, jedem Glaubens oder jeglicher Einstellung am Anfang des Dritten Reichs.
Ja, damals und heute waren und sind Politiker und deren abhängige Medienleute sehr kreativ im Schöpfen von Worten aus jeder Suppe und Pfütze – und seien diese noch so dumm. Die Worte! Nicht die Schöpfer derselben. Obwohl …
Ich frage mich, ob die Herren und Damen, die solche merwürdigen und schnell zu vergessenen Worte wie durch schwere Obstipation des Frontalkortex hervorquetschen, ausstoßen, dafür Phrasengeld bekommen oder gar Tausende Euro für ihre Unsinnigkeit erhalten. Wohl von Allem ein bisschen mehr oder weniger.
Wörter und Unwörter oder Sätze des Jahres sind bei Wikipedia nach zu lesen. Wozu es nicht alles gut sein kann, das Internet, als Recherchewerkzeug.
Andere Wörter und deren Un-Brüder finden sich bestimmt durch das tägliche, wenigstens regelmäßige Lesen von Zeitungen, Zeitschriften oder gar Blogs – Blogs, nicht Blocks(!), denn diese würden Blöcke heißen obwohl das heutzutage auch Piepschnurz ist. Oder beim akustischen voll-fett-krassen Konsumieren von Musikscheiben oder Videos, da findet der gemeine Mitmensch auch das nötige Rüstzeug zum GeBildetsein oder wenigstens zum Erhaschen (wohl bekommt’s!) von neumoderner Kultur. Oder einfach nur Gaffen. Talkshows mit Normalos oder Politikern. Da lernste was! – wenigstens die Zeit tot zu schlagen.
Und die Mär von der Geschicht’, schreibe Worte oder nicht!

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