Da wurden doch tatsächlich zwei junge Leute, nichtarabischer Herkunft wohlgemerkt, verhaftet, die mit Mehl (anstatt Kreide, da biologisch abbaubar) für die Schnitzeljagd beim Joggen eine Markierung auf einem Autoparkplatz aufbrachten.
Paranoide, hysterische Menschen riefen darauhin die Polizei, welche die zwei festnahm.
Natürlich müssen diese den Einsatz zahlen, obwohl der Umstand des „weißen Pulvers“ unverhältnismäßig einfacher geklärt worden sein könnte. Denn wieso sollten zwei Personen völlig ungeschützt biologische Giftstoffe ausbringen?
Aber das ist eben so dort drüben, über den Großen Teich.
Da wird folgendes gedacht und gesagt:
You see powder connected by arrows and chalk, you never know. It could be a terroristJ. Mayorga (Sprecherin des Bürgermeisters von New Haven)
Verrückt! Aber wirklich geschehen.
Die Dummheit der vor-Allem-Angst-habenden Amis scheint auch auf Deutschland endgültig übergesch(n/w)appt zu sein. Das zeigen ja nicht nur Bestrebungen des BMI in Bezug auf Rechnerspionage, vermeintlichen überall drohenden Terror, deren angebliche intellektuelle Unterstützer und die zu verschärfende Sicherheit.
Da werden Journalisten bespitzelt und abgehört; Soziologen dürfen nicht mehr jede Literatur schreiben oder lesen ohne als Unterstützer für den Terror zu gelten; im Rahmen eines „Weltwirtschaftsgipfels“ namens G8-Summit werden Demonstranten als Terroristen kriminalisiert.
Und ich dachte, solche Zustände seien seit der Spiegelaffäre und des Spitzelstaats DDR & Co. vorbei.
Ist Verfolgungswahn wirklich die erste Pflicht eines Staatsbürgers? Wie läßt sich sonst eine solche Polizeiaktion erklären? Inwieseit müssen wir aufpassen wie wir selber handeln? Kann das Fallenlassen einer (nicht gleich so erkennbaren) Tüte Backpulver beim Konsum zu einem solchen Einsatz führen? Müssen wir uns schon selbst einschränken, nur um selbst nicht in Gefahr zu geraten? Wie weit dürfen wir denken und uns bewegen, ohne uns selbst zu Terroristen zu machen? Was dürfen wir lesen ohne gleich in Verdacht zu geraten?
„Überlege dir, was du sagst und denkst!“ könnte da zum wiederholten Tagesmotto werden. Da werden Meinungen eben nicht mehr so einfach geäußert, wird nicht mehr ein kritischer Brief an eine Redaktion geschrieben, wird nicht mehr bei einer Verfassunsgbeschwerde mitgearbeitet.
Warum? Weil BügerInnen Repressionen seitens des Staates fürchten. Nicht ganz ohne Grund.
Die Verfolgungen der Hitlerzeit stecken immer noch im politischen, gesellschaftlichen Bewußtsein, wenn auch nur noch meist als verblassende Erinnerung.
Das repressive System der DDR ist noch nicht lange vorbei und die 70er-Jahre der BRD mit dem Heißen Herbst ist so mancher noch im Gedächtnis. In den genannten Systemen führten auch Pauschalverdächtigungen zu illegalen Festnahmen, wurden Menschen unrechtmäßig verfolgt, weil sie angeblich eine bestimmten Gruppe zugeordnet wurden. Damals fühlte sich der Staat bedroht und diese Gefährdungshysterie griff auch teilweise auf Medien und die ganze Gesellschaft über.
Willy Brandt sagte einmal: „Wir müssen mehr Demokratie wagen!“
Es sieht nicht danach aus, dass mehr gewagt wird. Eher weniger. Und es ist ein Wagnis, in einer heutigen angstbesetzten Demokratie zu leben.

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