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Samstag, 20. Juni 2009

Kanzler-Casting mit türkischer Homophobie

20.06.2009 · 16:41
Gestern habe ich mir etwas widerstrebend die Kanzler-Castingshow »Ich kann Kanzler!« zu Gemüte geführt – alles sehr nett und interessant. Manches ist mir nur noch so im Gedächtnis geblieben. Die Herren haben sich wie üblich gut sprachlich und im Auftreten geschlagen, während die Frauen leider etwas unsicher wirkten und auftraten. Eine Kandidatin ist allerdings besonders negativ aufgefallen.

Nuray Karaca, die mit/im Migrationshintergrund lebende junge Frau zeigte ganz besonders eine Unsicherheit wie sie wohl nur aus ihrer erfolgreichen türkischen Mädchenerziehung stammen kann. Eigener Aussage nach wollte sie ja das Mädchenimage ablegen, was allerdings kaum gelang. Denn ihr Verhalten hatte eher das unsichere unterwürfige einer türkischen Tochter anstatt einer selbstbewussten jungen und politisch weltoffenen Frau.

Ihr soziales Engagement für junge ausländische Mädchen und Frauen ist bestimmt hoch zu werten, aber in manchen gesellschaftlichen Einstellungen ist sie doch zu sehr von altbackenem, jahrzehntelang zurückgebliebenen türkischen Vorstellungen geprägt, die sie überhaupt nicht hinterfragt, was nicht zu einer politisch-sensiblen Einstellung passt.

In der Frage, ob die Türkei sofort in die EU solle, befand sie ja natürlich sofort, man müsse der Türkei nur sagen, was sie noch falsch mache, sie würde ja lernen.

Auch diese Aussage passt besser zu einer 15-jährigen pubertierenden Haustochter, wäre sie politisch für die Rechten von Milli Güreş tätig, als zu einer politisch tätigen jungen Frau. Naiv, nett, aber nicht politisch wirklich bewusst.

Wenn ich mir betrachte, was an Menschenrechtsverletzungen in türkischen Gefängnissen und Polizeistationen passieren, bin ich weit entfernt davon, einen Staat, der seit Jahrzehnten nicht in der Lage ist, sich mit sozialen, religiösen und ethnischen Minderheiten positiv zu arrangieren, einen Eintritt in die EU zu billigen. Und hirnlose türkische Nationalisten haben wir neben unseren deutschen schon zu viel.

In der Fragerunde wurde an die anwesenden Schlusskandidaten die Frage gestellt, ob homosexuelle Paare (also Lesben oder Schwule) Kinder adoptieren dürften. Sie hatte nichts besseres zu tun als ihre wohl in ihrem türkischen Umfeld grassierende Homophobie zur Schau zu stellen. In Gegensatz zu ihren Mitkandidaten, die eine Adoption für Lesben und Schwule als Zeichen einer gesellschaftlichen positiven Fortentwicklung und sozialen Kultur befürworteten, reagierte sie abwehrend und abwertend.

Ihrer Aussage nach dürfe solch eine Adoption an Homosexuelle nur durchgeführt werden, wenn ein Psychologe feststellen würde, dass dies dem Kind nicht schadet.

Schlimm genug, dass die anwesenden Herren und Damen der „politischen“ Jury diese erbrachte Homophobie geflissentlich übersahen und nicht nachhakten.

Mir sträuben sich die Haare. Sowas nenne ich eine gehörige Portion von Homophobie und Respektlosigkeit.

Der türkische Tellerand war wohl doch zu hoch, um darüber weg zuschauen, Frau (oder muss ich noch Fräulein sagen?) Karaca! Ist ihnen das Grundgesetz nicht geläufig? Oder wollten sie ihrer türkischen Verwandtschaft und Gemeinde gefallen als brave Tochter? Wie weit sind sie integriert in unserer gesamten Kultur als nächste deutsche Kanzlerin?

Wenn ich öffentlich sagen würde: „Erst sollte untersucht werden, ob es den deutschen Mitbürgern nicht seelisch, psychologisch und wirtschaftlich schadet, wenn Türken den deutschen Pass erhalten und in die EU dürfen!“ würde es wohl eher einen Aufstand geben, Herr Erdogan würde einfliegen, um seine unterdrückten Landsleute zu beschützen, türkische Organisationen wurden zu Demos aufrufen.

Dass es noch solche politischen Grünschnäbel und Naivchen gibt, hätte ich nicht gedacht. Aber so ist das wohl bei Deutschland-such-doch-neue-Kanzler-Shows, wenn noch nicht aus den Prinzesschenschuhen herausgewachsene Damen teilnehmen, ein Effekt der Telefonwahldemokratie.

Mein Betrachten des Kanzler-Castings mag vielleicht etwas einseitig erscheinen, aber ich mag es nicht, wenn Homophobie so Platz in den öffentlich-rechtlichen Medien Platz einnimmt.

Autor: GwenDragon · Kategorie Gesellschaft · Permalink · Kommentare (0) · Kommentar schreiben

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