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Mittwoch, 15. September 2010

Vom jüdischen Gen-Profil...

15.09.2010 · 15:50

Was passiert, wenn jemand harmlos nach Zentralrat der Juden googelt? Nichts Besonderes? Seltsame Werbung erscheint!

Nämlich das Angebot eines Gentests für jüdische Abstammung (auf Google am 5.9.2010):

Werbung für Gentest
Gentest für Judentum?

Ich frage mich, ob Google es mit der Anzeige dieser Firma ernst meint, ob jemandes Tippfinger beim Erfassen der Werbung randaliert hatten oder Googles Adserver gar von nazistischen Horden gekapert wurde.

Angeblich haben laut iGENEA jüdische Mitmenschen in aller Welt ähnliches DNA-Profil.
Laut deren Angebot besteht eine "enge Verbindung von Kultur, Tradition, Religion und Volkszugehörigkeit zeichnet das Judentum im Besonderen aus. [...] entwickelte sich über die Jahrhunderte eine gewisse genetische Homogenität" (Quelle: iGENEA).

Seltsam liest sich das, jedenfalls in Anbetracht des Wissens über die Geschichte der deutschen Humangenetik, welche nun wirklich, auch schon vor dem Dritten Reich, nicht unrassistisch war und bei manchen Professoren der Medizin heute immer noch ist.

Es wird auf einer Webseite auf einen gemeinsamen Haplotyp bei jüdischen Gruppen hingewiesen, nämlich: "Zugehörigkeit zu bestimmten Haplogruppen kann auf eine jüdische Herkunft hinweisen. Ausserdem wird ein bestimmtes DNA-Profil "Cohen Modal-Haplotyp" genannt" (Quelle: iGENEA).
Wenn ich mich recht erinnere sind das Teile auf dem Chromsom, also Gensequenzen, kurz Gene.

Zwischen Sarrazins Aussage: "Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen" und iGENEAs Erläuterung das Judentum "entwickelte eine gewisse genetische Homogenität" ist für mich kein Unterschied. Sprachlich gesehen, kann eine Aussage in einem Interview doch nicht unseriös sein während wissenschaftliche Thesen in der Werbung eines Labors seriös wären. In jedem Falle ist beides unklug bezüglich der Genetik geschrieben worden.

Warum existiert auf einer deutschen Googleseite aber so eine Anzeige? Es ist irritierend, was bei Google als Anzeige geschaltet wird.

Wird die deutsche Kanzlerin sich an Google wenden, Außenminister Westerwelle die Schweiz meiden oder wenigstens jemand aus dem Zentralrat der Juden reagieren? Oder schreien wir doch nicht auf, weil es kein deutsches Problem ist, wenn solche Aussagen getätigt werden?

Sprache kann verletzen. Es gibt eine jüdische Geschichte, in der ein Rabbi zwei streitenden Frauen (gibt es auch noch anders) erzählt wie gemeine, verletzende Worte sich wie Federn im Wind verteilen ohne je wieder eingefangen werden zu können. Einmal gesagt, sind die Worte in der Welt.
In unserer Zeit ist das Internet der Wind, der diese Federn für immer unwiederbringlich, durch sorglose Medien verteilt.

Autor: GwenDragon · Kategorie Gesellschaft · Permalink · Kommentare (1) · Kommentar schreiben

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#1 GwenDragon schrieb am 6.9.2010 10:51 folgendes:

Die Grenze zwischen politisch-unkorrektem Gen-Rassismus und sauberer wissenschaftlicher Genetik sind doch wohl fließend. Davon mal abgesehen, dass Wissenschaft, in Deutschland ganz besonders, von Deutschen als seriös, sauber und frei von Rassismus oder Nationalismus angesehen wird.

Erstaunlich, dass in Israel nach Zeitung Haaretz <http://www.haaretz.com/print-edition/features/jewish-gene-theories-make-waves-in-germany-go-unnoticed-in-israel-1.311182> die Diskussion über das jüdische Gen keinerlei Aufregung ausgelöst hat. Wo in Deutschland Rassismus und Antisemitismus gerufen wird, sind so manche Israelis stolz auf das Gen.

Auch in Jerusalem Post fand ich nur einen Artikel zu Sarrazins Äußerungen <http://www.jpost.com/Home/Article.aspx?id=186356>, mit ein paar Kommentaren von aufgeregten Lesern, die aber meist aus den USA stammten.

Ich bin gespannt, ob ich noch mehr darüber finde, wie das in Israel im Gegensatz zu Europa wahrgenommen wird.

↑Artikel


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