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Sonntag, 16. November 2008

Linker Starrsinn führt zu Domainsperrung

16.11.2008 · 10:13
Durch eine einstweilige Verfügung hat ein linker Politiker eine komplette Domain sperren lassen. Es handelt sich um das Internet-Lexikon wikipedia.de.

In einem deutschen Wikipedia-Artikel wurde ein Eintrag gemacht, der nach Meinung des Politikers Lutz Heilmann (MdB, Die Linke) und des Gerichts unwahr ist. Herr Heilmann hat sicher und rechtsstaatlich verbrieft das Recht unwahrheitsgemäße Einträge sperren oder löschen zu lassen. Selbst wenn er Politiker ist und eine Person des öffentlichen Interesses.

Ich verstehe nur nicht, wieso Wikimedia den Artikel bzw. sämtliche Möglichkeiten einen Artikel unter Heilmann zu erstellen, gesperrt hat. Das wäre technisch möglich.
Die komplette Domain zu blockieren ist Unfug, denn an die deutsche Wiki kommt jemand auch anders. Schließlich gibt es die gespiegelten Seiten der internationalen Domain oder eine Suchmaschine, die den inkriminierten Link findet.

Warum allerdings manche Mitglieder einer Partei, welche sich selbst Die Linke quasi stellvertretend für alle linken Politdenkenden nennt und die für die Gerechtigkeit, die Ausgegrenzten unser Gesellschaft da ist, so unverhältnismäßig reagieren, ist schon seltsam. Allerdings haben auch schon andere Parteien linker Couleur bei Wikipedia mit dem Verbotshammer zugedroschen. Zudem haben die meisten Verbote bzw. Verfügungen nich den erwünschten Effekt gebracht, weil sie aufgehoben werden mussten oder noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zogen.

Denn so ein Verbot erzeugt nur den sog. Streisand-Effekt. Das bedeutet: Jegliches Verbot erzeugt noch mehr Aufmerksamkeit auf das Verbotene udn als Folge die weitere Verbreitung anderswo.

Die deutschen Linken – gemeint ist hier die politische Richtung! – jeglicher Gruppierung und jeglichen Zeitalters verstanden und verstehen meistens keinen Spaß. Schon die 68er waren bieder und spießig mit ihrem Bemühen einer weiteren intellektuellen Denk-Autorität, einem oder mehreren linken Führern nach zu laufen oder gar Sex als Revolution und Befreiung anzusehen. Wirklich befreiend waren diese nicht, der Staub der Tausend Jahre wehte nämlich genauso muffig-miefig aus den Marxschen Kapital und den Anmerkungen Maos.

Die Biederheit und starrsinnige Spießigkeit der ehemaligen und jetzigen deutschen linken Parteien war und ist oft unübertrefflich, ob sie nun aus dem KPD/ML-, DKP- oder dem SED-Lager, den Grünen, anderen Ökos, gar der SPD stammen. Und so gar nicht zeitgemäß hatten und haben sich auch diese Parteien einen gewissen deutschen autoritären (ich glaube in Altlinkenkreisen hieß das sogar reaktionär) Stil, fast einen Totalitarisus erhalten – trotz erlernter und erlebter Demokratie nach 1945. Das betraf und betrifft leider auch die Möglichkeit, sich zu Äußern oder anders Abzustimmen, ohne gleich Parteiausschluss (Upps!, fast wie bei den Chinesen oder Alt-Linken mit ihrer selbstanklagenden Selbstkritik) oder Redeverbot angedroht zu bekommen.

Die linke Politik ist nicht immer so offen und freiheitlich wie sie erscheint, mag sie noch so widerständig sein im Kampf für eine gerechte, soziale Sache. Links und Rechts, das ist doch fast egal, denn biedere deutsche Brüder und Schwestern im Geiste und Handeln sind sie oft. Erlebte linke Politik führt leider nicht in irgendeine Freiheit.

Redefreiheit ist nicht immer erwünscht, ob es nun unwahr oder wahr ist, was gesagt wird. Wer den tiefen gerechten Schlaf des linken politischen Geistes stört, muss damit rechnen, von diesen Geistern eben nieder gewalzt zu werden. Den linken Geist zu beschwören hat etwas Faustisches, da muss schon mal ein Gretchen oder gar die eine oder andere Seele daran glauben.

Autor: GwenDragon · Kategorie Zensur · Permalink · Kommentare (0) · Kommentar schreiben

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