Selbst der Arbeitskreis der Linksjugend Shalom hielt diese Art Gazahilfe für einseitig, problematisch und den Islamisten (gemeint ist wohl die Hamas) in die Hände spielend.
Nachdem ein Durchbrechen der Seeblockade vom israelischen Miltär (IDF) unter derzeit nicht näher bekannten Umständen mit Gewalt und leider mehreren Toten und Verletzten (als Reaktion auf einen Angriff mit Waffen auf die eigenen Leute) verhindert wurde, kehrten die deutschen Unterstützer Gazas nach kurzem Aufenthalt in israelischem Sicherheitsgewahrsam wieder in ihre Heimat zurück und traten als Augenzeugen vor die Kameras.
Mediengrecht in leicht derangierter Freizeitkleidung gezeigt, eine Person mit Kamerafokus auf einen roten Fleck am Hosenbein, einen Blutfleck wie eine Kriegsauszeichnung vom "Kampf" gegen die Israelis tragend. Laut Frau Höger, eine der mitreisenden Aktivistinnen und Politikerinnen, war es wie im Krieg als das israelische Militär die Schiffe stürmten. Detonationen (wie von Bomben?) waren angeblich zu hören.
Der auch auf dem Schiff anwesende Herr Paech konnte keinerlei gefährliche Bewaffnung der propalästinensischen Aktivisten bestätigen, es seien wohl lediglich einige Holzstöcke gewesen, keine Metallstangen. Und da es sich um ein türkisches Hilfsschiff gehandelt hat, hätte die türkische Marine das Recht gehabt, den verbrecherischen Angriff, das Kriegsverbrechen, auf das Hilfsschiff zu verteidigen.
Ja, Frau Höger, die Aktionen, welche Hamas und IDF durchführen, kann gewissenhaft kriegerisch genannt werden. Dass Tränengaskartuschen und Blendgranaten zerplatzen und ein Geräusch verursachen, ist ihnen wohl nicht bekannt. Vielleicht war das überhaupt keine Explosion sondern nur ihre mediale Ausschmückung. Aber warum machen Sie beim Durchbrechen einer Seeblockade mit? Dachten Sie denn, das israelische Militär sieht zu wie ungeprüft Ladung nach Gaza verschifft wird?
Nein, Herr Paech, die Türkei wird keine Panzerkreuzer zur Reglementierung Israels aussenden. Das gab es nur zu Kaisers Zeiten. Aber sicher sind Holzstangen niemals gefährliche Waffen, dienen nur der Selbstverteidigung. Und jemand mit Hemd und Hose (wohlgemerkt nicht nackt!) festzunehmen, ist natürlich auch ein schweres Verbrechen wie man es bestimmt nur aus Nazi-KZs kennt.
Teile der Partei Die Linke wie auch genügend Anhänger linker Politik (im Sinne der politischen Richtung) können nur bedingt israelfreundlich, wenn nicht gar antisemitisch genannt werden. Dabei gibt es Stimmen, die linken Antisemitismus kritisieren.
Soziokulturell und historisch gesehen, befand sich linke Politik im Kontrast oder gar Feindschaft zu Israel und besonders jüdischen Menschen. Es war schon vor Jahrzehnten bis heute schick die Kafiya ("Palästinensertuch") zu tragen und für die Freiheit Palästinas zu demonstrieren. Linke Tradition der 68er bestand daraus gegen den Staat zu sein, gegen die alten Nazis, die Mitläufer-Eltern, ohne zu berücksichtigen, dass genau diese die Linken erzogen, an den Schulen und Universitäten gebildet hatten.
Der so weiter getragene Antisemitismus ließ sich schließlich nicht mit Ho-Ho-Ho-Chi-Minh einfach so aus den verkrusteten Hirnen entfernen. Wird Intellektuelle Nazifizierung einfach durch linke Gesinnung kompensiert, druch marxistische Ideologie geheilt oder gar radikal entfernt? Nein. Denn viele der sich Linke nennenden politisch Aktiven waren konservativ, spießig bis ins Mark, genauso wie die von ihnen kritisierten Nazis, Eltern und Autoritäten. Gewohnheit lässt sich nicht per neuem Parteibuch oder gar intellektueller Umerziehung abschalten.
Mitglieder radikaler Organisationen wie auch der RAF reisten damals wie heutzutage Anhänger der Al-Qaida in arabische Länder, um dort den Kampf gegen Israel und die Imperialisten (gemeint ist damit die USA, deren Verbündete) zu üben. Nützliche Tätigkeiten wie Rohrbombenbau, der kunstvolle Umgang mit dem AK-47 sowie Folter und die Beseitigung von Abtrünnigen wurde dort geübt.
In solchen Lagern, es gehörte damals zur politischen Schulung der Freiheitskämpfer gegen Israel und die USA, wurde politisch verbrämt dem Antisemitismus gefrönt. Dass sowas bei den arabischen Kämpfern und deutschen ehemaligen Nazi-Kindern auf fruchtbaren Boden fiel und wuchs, war klar. In diesen Zusammenhängen durfte antisemitisch gegen Israel als Unterdrücker der Araber, als eine Art Nichtmensch, vorgegangen werden.
Auch die DDR hat sich nicht besonders positiv hervor getan. Eine Entnazifizierung fand im Endeffekt genausowenig statt wie in der BRD. Nazis wurden selten abgeurteilt, viele in wichtige Staatsposten gesetzt. Das Dogma der linken Gesinnung der DDR-Gesellschaft implizierte zudem einfach Anti-Faschismus und Ant-Nazismus. Und wer zu Zeiten des Kalten Krieges gegen den Westen, die USA, auch gegen Israel war, konnte mit finanzieller und intellektueller Unterstützung rechnen. Selbst deutsche kommunitsische Linke wie die DKP wurden von der DDR finanziert.
Antisemitismus und anitisraelische Stimmungsmache hat Tradition, auch in der deutschen Linken. Leider.
Daran hat sich nichts geändert, denn auf Hamas-Demonstrationen finden sich nicht nur Anhänger irgendwelcher K-Gruppen sondern auch leider Vertreter der Linke. Sicherlich hat jeder Mensch das Recht seine Meinung zu sagen, für Menschenrechte zu kämpfen, es ist jedoch seltsam, dass sowas gerade bei Anhängern einer Terrororganisation getan werden muss, die sich um Menschenrechte ihrer eigenen Bevölkerung nicht schert. Die Solidarisierung mit der Hamas ist ein dunkler Fleck auf Teilen linker Parteien.
Unter dem Banner Menschenrechte wird schnell das Existenzrecht Israels negiert. Auf Fortbildungen und Diskusssionsveranstaltungen wird mit der unverhohlenen Unterstützung von Rechtsextremen in altlinker Art analysiert inwieweit denn Israel selbst Schuld am Holocaust sei oder gar sich in Kriegsverbrechen gegen unschuldige Araber übertreffe. Seit der Militärintervention in Gaza wird Gaza gar als palästinensiches Auschwitz deklariert. Wie man sieht, treffen sich Linke und Rechte, um gemeinsam gegen den alten Feind, den Juden, den Judenstaat Israel, vorgehen zu können.
Natürlich sind nicht alle linken Aktivisten so tumb und protzen mit Antizionismus.
Es ist heutzutage in der Mediengesellschaft einfacher. Der Kampf gegen den Feind, den Unrechtsstaat Israel findet in bewegten Bildern statt. Nachrichtensender, Blogs und Videoportale bieten viellfältige Möglichkeiten einer propalästinensischen und damit leider auch Pro-Hamas-Bewegung Raum zu geben. Agitationen und Interaktionen finden heute diffiziler statt.
Es ist sicher praktikabel sich mit türkischen Politikern zusammen zu tun, die an Geschichtsklitterung in Bezug auf Genozid und eigenem Unvermögen Menschenrechte zu achten, nicht zu überbieten sind. Herr Erdogan ist dafür bekannt, dass er mal Freund, mal Gegner Israels ist, und das kund tut.
Es geht ein Gerücht um, dass bei der Feierveranstaltung vor der Abfahrt der Schiffes aus der Türkei auch zwei Hamas-Kommandanten, bekannte Terroristen, mit von der Partie waren. Dass sich die Türkei und Hamas grün sind - Nein! Nicht wegen der vom Propheten geliebten Farbe - und es türkische Unterstützergruppen für die Hamas gibt, ist kein Wahn, sondern auf jeder Pro-Gaza-Demo zu sehen.
Pro-Gaza impliziert immer Pro-Hamas. Weil jede Hilfe die Hamas und ihre mafiöse Struktur stützt.
Wie schön wäre es, wenn sich Parteien besser distanzieren würden, von Pro-Hamas-Aktionen.
Gaza hat eine neue Intifada, eine Vierte Intifada, an der sich jetzt die deutsche Linke beteiligt. Eine deutsche Intifada. Die Hamas wird's freuen.
Gute Nacht, Deutschland.

Kommentare
#1 T. schrieb am 11.6.2010 14:46 folgendes:
ob harmlos und friedlich die aktivisten waren, zeigen bilder von speicherkarten <http://www.hurriyetdailynews.com/g.php?g=55>
nachrichtenagentur beschnittene Bilder verwandt, auf denen ein kampfmesser eines aktivisten fehlte und ein verletzter israelischer soldat retuschiert wurde
tuerkische Webmedien wie internethaber haben eigene bilder <http://www.internethaber.com/israili-sevindiren-fotograflar-foto-galerisi-7818-p1.htm> und <http://www.internethaber.com/israilden-kacirilan-fotograflar-foto-galerisi-7784-p1.htm> mit aufschlussreiche Bilder
ist halt digitaler Kampf um "Wahrheit".
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