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Mittwoch, 05. November 2008

”Yes he can” – Obama ist neuer Präsident der USA

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05.11.2008 · 13:33
Gerade habe ich über das Radio erfahren, dass der 44. US-amerikanische Präsident Barack Obama heißt.
Damit ist zum ersten Mal in der amerikanischen Geschichte ein afroamerikanischer Mensch Präsident. Erstaunlich.

Sieg gegen den „weißen“ Kontrahenten

Erstaunlich ist der Sieg, weil Obama gegen einen caucasian white (wie „Weiße“ in den USA bezeichnet werden) den amerikanischen Vietnam-Kriegsheld, John McCain angetreten ist. Auch wenn es niemand offen sagt, Rassismus ist in den USA noch weit verbreitet – wenn jemand sagen wollte, warum er McCain wählt, zeigte er es durch ein kurzes Tippen auf die Haut der Handoberfläche, was bedeutet: Wegen der Hautfarbe.

Ich denke, dass alle einen Wechsel wollten und nicht einen alten Nachfolger, der an die desaströse Politik George W. Bushs anknüpft. McCain hatte zwar den Vorteil der hellen Hautfarbe, Erfahrung mit Außenpolitik, aber sein hohes Alter und sein manchmal unkonzentriertes Handeln in Interviews hat vielleicht den Eindruck erweckt als späterer Präsident nicht mehr allen Anforderungen gewachsen zu sein im Gegensatz zu seinem fast 30 Jahre jüngeren Konkurrenten. Auch Bush hat in manchen kritischen Situationen oft eine geistige Abwesenheit gezeigt, die eher zu einem kranken, eingeschränkten Menschen passt als einem Staatslenker, der aktiv an den Weltgeschehen beteiligt ist.
Und McCains Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin, Gouverneuerin von Alaska, ist wegen ihres manchmal tollpatschigen Auftretens als Eishockey-Mami der Nation eher peinlich und störend. Ob sich wirklich so viele Amerikaner und Amerikanerinnen Palin als Vorbild, als eine One of us vorstellen konnten, bezweifele ich stark. Auch in wichtigen Interviews glänzte sie nicht gerade. Dies und ihr mutmaßliche Amtsmissbrauch haben McCain nicht gerade geholfen.
Laut einer CNN-Umfrage spielte die Rasse weniger eine Rolle für den Sieg sondern das Alter.

Wahlausgang

Die Grafik von electoral-vote.com zeigt ganz gut die Verteilung der Wahl am 5. November an; es kann dort auch nachgesehen werden wie sich die Abstimmung entwickelt hat. Ältere Daten der Präsidentschaftswahl 2004 und anderer Wahlen sind einsehbar.

Stimmenverteilung
Präsidentschaftswahl USA Stimmenverteilung
Quelle: electoral-vote.com

Der Demokrat Obama gewann die Wahl mit 5% Vorsprung vor dem Republikaner McCain. Bei den Wahlmännern ist der Vorsprung noch größer: 375 waren für Obama, 163 für McCain.

Reaktionen in der Welt

Derzeit ist sogar weltweit Freude über den neuen Präsidenten Obama zu vernehmen.

Wie ich gerade höre, wird sind in Kenia die Menschen auf den Straßen und feiern. In Kenia wird der heutige Tag des Sieges Obama sogar zum Nationalen Feiertag erklärt.

Laut Al Yazeera gibt es verschiedenartigste Reaktionen der Welt auf den Wahlsieg. Meist erhoffen sich die Länder des Nahen Ostens eine Verbesserung der Situation.

Die Bundeskanzlerin Merkel hat Obama heute beglückwünscht und lädt Obama zu einem Besuch nach Deutschland ein.
Was Bundesaußenminister Steinmeier zum Ausgang der Wahl meint, ist auch derzeit anhörbar (MP3).

Die Börse der Welt reagierte verschieden auf den Obamas Wahlsieg.
Der Dax sackte nach einem Anfangshoch ab.
Die Tokioter Börse reagierte positiv, schloss mit einem Zuwachs von ca. 6%. Auch die Wallstreet machte bei diversen Indexen einen Sprung um ca. 3—5%.

Wie sich der neue Präsident dann in der Weltpolitik macht, wird sich noch zeigen. Seine Besuche in Kabul, Bagdad und anderen Ländern zeigten einen eher offenen Politiker. Diese offene Verhalten auch den eher US-feindlichen Staaten wie Syrien oder Iran gegen über verschreckt allerdings auch die jüdische Welt. Unsicherheiten Israels in Bezug auf eine eher moslemfreundliche Haltung Obamas wurden schon früher laut. Allerdings hat Obama im Oktober laut Haaretz zugesichert, Israels Recht auf Verteidigung und Sicherheit zu unterstützen und zu stärken. Israels Sicherheit ist sakrosant wie er bei einem Treffen mit Rabbis sagte.
Eine gewisse Skepsis bleibt bis Obama sein Team zur Nahost-Politik aufgestellt hat. Ob Konfrontation oder Versöhnlichkeit gegenüber den Feinden Israels, das wird noch abzuwarten sein. In jedem Fall gibt es eine Herausforderung für ihn, wie die Jerusalem Post schreibt.
Obama hat wohl 77% der Stimmen der amerikanisch-jüdischen Inlands- und Auslandswähler erhalten. Es zeigt in jedem Fall, dass sehr viele jüdische Amerikaner hinter Obamas Politik und Zielen stehen. Was allerdings nicht auf Israel selbst übertragbar ist.

Meine Meinung zu seinem Sieg

Was ich von ihm halte? Hmm, interessante Frage. Obama ist auch sehr konservativ.

Seine widersprüchliche und teilweise positive Haltung zu Todestrafe finde ich widerwärtig.

Inwieweit er das Nahost-Problem handhaben kann, hängt auch von seinem beratenden Nahost-Team und dem neuen Außenminister ab. Ich habe eher die Befürchtung, dass die Situation sich nicht verbessert. Wieso? Weil die USA leider immer noch danach in Richtung Iran schielen, ob zum Truppeneinsatz oder nur zur „positiven“ diplomatischen Annäherung.

Die Bankenkrise in den USA wird er auch nicht in den Griff bekommen können. Ob Bankspekulationen mit Immobilien, faulen Krediten oder Fonds nun per Gesetz ab einem bestmmten Maße unterbunden werden wie in manchen europäischen Ländern, bleibt abzuwarten. Eher nein, denn die USA ist das Vaterland des Kapitalismus. Ein solches Gesetz würde den „freien“ Markt einschränken und zudem das Privarkapital bremsen. Da vermute ich, dass noch mehr Geldspritzen in die Banken gebuttert werden, wenn es mal wieder wackelt; Geld das für Bildung und Gesundeit fehlt und die Armut und Obdachlosigkeit noch verstärken wird.

Das militärische Engagement wird sich nicht ändern. Denn der Schutz von US-Interessen ist vorrangig.

Autor: GwenDragon · Kategorie USA · Permalink · Kommentare (0) · Kommentar schreiben

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