Das sich der Frauentag am 8. März wieder jährt und diesmal einen runden Geburtstag hat, möchte ich einen kurzen Abriss geben wie er entstand.
100 Jahre Internationaler Frauentag 
Das Ziel ist Frauenrecht als Menschenrecht.
Clara Zetkin (1857-1933)
Frauenrecht ist Menschenrecht
Seit mindestens 100 Jahren kämpfen Frauen für mehr Rechte.
Deswegen gibt es den Internationalen Frauentag oder auch wie andere sagen: den Internationalen Frauenkampftag.
Über Jahrhunderte haben Frauen versucht, ihre Lebensbedingungen zu verbessern, soziale Ungerechtigkeit abzubauen und mehr Rechte zu erlangen, die ihnen auf Grund des Geschlechts abgesprochen wurden.
Französische Revolution
Die Frau wird frei geboren und bleibt dem Mann an Rechten gleich.
Olympe de Gouges (in 1791)
Olympe de Gouges, französische Revolutionärin, versuchte schon kurz nach der Französischen Revolution in einem Manifest Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin zu erreichen.
Sie wurde aber 1793 während Robbespierres Terror als politische Gegnerin in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und geköpft.
USA des 19. Jahrhunderts
Weiterhin versuchten in den USA um 1850 Frauen mehr Rechte zu erkämpfen, die ersten Feministinnen, damals noch Blaustrümpfe genannt.
Tatsache ist, Frauen sind in Ketten, und ihre Versklavung ist umso erniedrigender, weil sie sie nicht erkennen.
Susan B. Anthony

Elizabeth Cady Stanton und Susan B. Anthony
In der Womans Rights Convention von Seneca Falls wurden in der Declaration of Sentiments and Resolutions das Wahlrecht, Rechte an eigenem Eigentum, das Recht auf höhere Bildung für Frauen gefordert.
Deutschland um 1900
Schon 1889 widemete sich Clara Zetkin dem Problem der Unfreiheit der Frauen in Bezug auf Ökonomie und ihrer Stellung im Wirtschaftsleben. Eine Gleichheit könne es erst geben, wenn die Frauenarbeit (Arbeit, speziell auf Frauen zugeschnitten und gering entlohnt) abgeschafft wird.
Diese Entwicklung der Dinge, die darauf abzielt, allmählich den Mann wieder in das Heim zur Erziehung der Kinder zurückzuführen, tritt auf als eine Begleiterscheinung des Hinausschreitens des Weibes als Berufsarbeiterin in die Gesellschaft.
Clara Zetkin
Ihre Aussage Ohne Beihilfe der Männer, ja, oft sogar gegen den Willen der Männer, sind die Frauen unter das sozialistische Banner getreten zeigte, dass Frauen nur zu ihren Rechten kamen, wenn sie selbst dafür eintraten und kämpfen, selbst gegen den Widerstand des Bürgertums und der politischen Arbeiterschaft, Hilfe von Männern war da wenig zu erwarten.
Im Bereich der Arbeiterinnenbewegung, insbesondere der sozialistischen, waren die Frauen immer bestrebt, die schlechten Verhältnisse zu verändern.
Auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen schlug Clara Zetkin einen Internationaler Frauentag vor, der auf die Situation der Frauen aufmerksam machen sollte (ähnlich des 1. Mai?).
Vorbild war der Frauenkampftag der Amerikanerinnen für das Frauenwahlrecht. Der Vorschlag wurde angenommen, jedoch ohne ein festes Datum für diesen Tag.

Clara Zetkin und Rosa Luxemburg
Damalige Forderungen der Sozialistinnen waren:
- Kampf gegen Kriege
- Wahl- und Stimmrecht für Frauen
- Achtstundentag
- Arbeitsschutzgesetze
- Ausreichender Mutter- und Kinderschutz
- gleicher Arbeitslohn bei gleicher Arbeitsleistung
- Festsetzung von Mindestlöhnen
Bis 1921 gab es keinen festgelegten Termin für den Tag, er wurde zwischen Februar und April begangen. Eine Festlegung auf den 8. März erfolgte 1921 durch einen Beschluss der Zweiten Kommunistischen Frauenkonferenz.
Damit sollte auch an Arbeiterinnenstreiks im Textilgewerbe in den USA und einen Textilarbeiterinnenstreik 1917 in Petrograd (Petersburg) erinnert werden, der weitere große Arbeiterinnendemonstrationen auslöste und in Folge die Februarrevolution.
In den Dreißiger Jahren der Weimarer Republik gab es nach der Spaltung der Sozialisten in SPD und KPD zwei Frauentage. Die KPD verbuchte den Frauentag als Agitationstag, sodass die SPD zur Abgrenzung gezwungen war, ein anderes Datum für einen Frauentag zu verwenden.
Nach Hitlers Machtergreifung 1933 wurden viele Parteien und damit auch die politischen Versammlungen zu bestimmten Ereignissen verboten, damit auch der Internationale Frauentag.
Stattdessen wurde durch die Machthaber ein Muttertag erkoren, der Frauen, ganz auf die Bedürfnisse des Naziregimes eingestellt, bestärken sollte.
Erst nach dem Ende der Nazidiktatur 1945 konnte der Frauentag wieder eingeführt werden.
In der kurz danach gegründeten DDR wurde der Tag als Feier der gesellschaftlichen Befreiung der Frauen angesehen. In den Fünfziger Jahren war die berufliche und gesellschaftliche Gleichstellung in der DDR erreicht.
In der BRD jedoch wurde Frauen das Recht auf Arbeit vorbehalten, das Recht auf Abtreibung, das Recht jeden Beruf zu erlernen und auszuüben, das Scheidungsrecht benachteiligte die Frau wegen des Schuldprinzips.
In den 70ern der BRD kämpften die Frauen für das Recht auf Abtreibung, für gleichen Lohn für gleiche Arbeit, für Rechte von Lesben, gegen Sexismus, gegen lasche Vergewaltigungsgesetze, für verbesserte medizinische Versorgung und anderes.
Heute noch wichtig?
Etablierte Frauen wie die konservative, ehemalige Frauenrechtlerin Alice Schwarzer meinen, so einen Tag bräuchte es nicht mehr. Sie mag für sich Recht haben, sollte aber nicht für andere sprechen.
Warum soll also so ein Tag noch notwendig sein. Angeblich haben Frauen doch alles erreicht. Sie dürfen wählen und können gewählt werden. Sie können ohne Erlaubnis des Mannes oder Vaters arbeiten und heiraten. Sie dürfen Bankgeschäfte tätigen und Firmen gründen. Sie können sich scheiden lassen. Ihnen steten doch alle Türen offen, oder?
Was wurde denn verwirklicht?
- Wahl- und Stimmrecht für Frauen: Frauen können wählen und gewählt werden, auch in Regierungsämter.
- Achtstundentag: wurde vor Jahren wieder abgeschafft und "flexibel" behandelt, je nach Tarifvertrag und sklavenhaltendem Arbeitgeber.
- Arbeitsschutzgesetze: Frauen sind gegen Gefahren im Arbeitsalltag besser geschützt, allerdings werden Frauen auch ohne Grund ausgeschlossen weil "besondere Gefahren" vorliegen - gibt es die für Männer nicht?
- Ausreichender Mutter- und Kinderschutz: Medizinische Versorgung ist ausreichend, Kinderbetreuung ist mangelhaft und nicht für jede vorhanden, die Gesellschaft, auch Männer, drücken sich um diese Verantwortung.
- gleicher Arbeitslohn bei gleicher Arbeitsleistung: das ist immer noch nicht nicht vorhanden, ein Hilfsarbeiter ohne Abschluss bekommt in der Fabrik mehr Geld als eine langjährig Erzieherin.
- Festsetzung von Mindestlöhnen: darum streiten sich Tarifparteien immer noch; viele Frauenberufe sind im Einkommensrang unterhalb des Existenzminimums.
- Kampf gegen Kriege: immer noch gegeben, ganz besonders wegen des "besonderen Auftrags" der Bundeswehr in irgendwelchen Krisengebieten; Deutschland als Rüstungsnation.
Sollen wir uns zufrieden geben, mit der Vorstellung, dass eigentlich alles erreicht wurde?
Solange Frauen aus bestimmten Berufen heraus gehalten werden, auch durch angebliche Gesetze zu ihrem Schutz; solange Frauen vorgeworfen wird, sie lügten in Bezug auf Vergewaltigung; solange Männerarbeit durch ihre angebliche größere Anstrengung besser entlohnt wird; solange Frauen ein geringer Anteil des Weltvermögens gehört; solange Frauen in Armut leben müssen; solange Frauen nicht das Recht auf Abtreibung und gute medizinische Versorgung haben; solange der Staat bestimmt, wen Frauen heiraten dürfen; solange ein Großteil der Schaltpunkte der Wirtschaft von Männern besetzt gehalten wird; solange sexistisches Verhalten immer noch ein Spaß ist; solange Frauen nicht als gleichwertige und gleichrangige Menschen angesehen werden - braucht es eine Frauenbewegung und einen Frauentag, um diese und andere Missstände weiterhin aufzuzeigen und zu bekämpfen.
Eine Frau Schwarzer macht noch keinen Feminismus. Ein Frauenbeauftragter trägt nur an seinem Titel. Ein Grundgesetz mit virtuellem Gleichheitswunsch erhält nur ein pseudodemokratisches System, in dem Männer im Glauben leben, Frauen vertreten zu können, weil jetzt Gleichheit herrscht. Genderwissenschaft schafft keine Freiheit, nur weitere Enge im Kopf.
Nicht vergessen: 8. März!






